Kommunikation von Hunden und die Wahrnehmung der Hundehalter

Das klären die unter sich!

Die Kommunikation von Hunden ist eine Sache für sich. Hunde kommunizieren anders als wir Menschen, dennoch sind wir es ihnen schuldig – finde zumindest ich – dass wir uns die Mühe machen und uns mit ihrer Art der Kommunikation auseinandersetzen. Macht man das nicht, kann das schwerwiegende Folgen haben.

Auch unsere Wahrnehmung ist so eine Sache. Nehme ich als Partei eins bei einer Hundebegegnung gewisse Dinge auf eine bestimmte Art und Weise wahr, so kann es für den Hundehalter des anderen Hundes sich ganz anders darbieten.
Denn man kennt ja seine eigenen Pappenheimer und weiß, dass sie auf gewisse Dinge so oder so reagieren.

Erst noch, habe ich über die verbotene Kommunikation von Hunden geschrieben und nur ein paar Tage später erhalte ich ein perfektes Beispiel dafür, was passiert, wenn ein Hundehalter die Kommunikation seines Hundes nicht Ernst nimmt, sie anders wahrnimmt als es die Außenwelt tut oder sie fehlinterpretiert.

Was Du weißt, weiß ich noch lange nicht

Es ist eines der Treffen, die mich und meine Hunde nach hinten werfen. Es sind Treffen wie diese, die mir zwei Monate – oder mehr – harter Arbeit und konsequentem Training kaputt machen.
Wenn fremde Hunde ungefragt auf meine stürmen. Bellend, drohend, knurrend.
Situationen wie dieses Aufeinandertreffen, das erst erfolgte.
Ich kenne die anderen Hunde und ich weiß, dass sie nicht die Sorte sind, die Abstand halten und nur mal gucken.
Was für den anderen Hundehalter vielleicht nur zu klar ist.

„Meine Hunde wollen nur mal gucken.“
„Die tun nichts.“

Das ist weder für mich noch für Lemmy und Iggy wahrzunehmen.
Schließlich stehen vor uns vier Hunde, die bellen und sehr deutlich kommunizieren.

Text mit Bild: Der tut doch nichts!

Ob ein Hund jetzt was tut oder nicht, dass ist gar nicht das Ausschlaggebende. Das Problem ist, dass fremde Hunde auf uns zugerast kommen, Lemmy und Iggy in Panik versetzen und ich nun mal keine Mauer von 3 auf 3 Metern bin. Klar, ich kann mich dazwischenstellen, klar ich kann versuchen die anderen Hunde zu vertreiben. Und trotzdem wirft es uns zurück.
Da arbeitet man sich monatelang ran. Immer näher an fremde Hunde. Man macht immer kleinere Bögen und hat immer ein genaues Auge auf seine eigenen Hunde. Ist es zu nah? Können wir noch näher hin?
Und dann kommen solche Treffen.
Das frustriert ungemein und macht auch sauer.

Hund mit Leine

Wenn der Hundehalter seinen eigenen Hund nicht ernst nimmt

Wenn ein Hund bellt, dann hat das einen Grund. Wenn ein Hund knurrt, dann hat das einen Grund.
Und wenn ein Hund bellend vor mir steht, dann nehme ich das ernst.
Ich weiß bei meinen zweien auch, dass sie sich anhören wie Graf Rotz und trotzdem nie einem Hund etwas tun würden und trotzdem wird es auf Außenstehende ganz anders wirken.
Da wirkt der kleine Hund so süß, wenn er Radfahrern hinterher rennt oder es stört nicht, wenn der eigene Hund auf andere erst mal bellend zu schießt. Es passiert ja nichts.
Was ist jetzt aber, wenn der andere Hund anders als erwartet reagiert?
Was ist, wenn der andere Hund „auf einmal“ auf den bellenden Hund zuspringt – ihn beißt – ihn kneift – ihn ernsthaft verletzt.
So überraschend wäre das nicht, schließlich wird er ja bedroht und wie jemand reagiert, wenn er bedroht wird, dass kann einem nur die liebe Glaskugel verraten.

Situationen, die mich verzweifeln lassen

Wenn der eigene Hundehalter seinen Hund nicht ernst nimmt, was muss dann bitte passieren, dass er es tut. Ich finde es wirklich schade, wenn ein Hund so deutlich zeigt, dass er ein Problem hat und einfach damit allein gelassen wird. Wir als Hundehalter haben eine Sorgfaltspflicht und auch eine Aufsichtspflicht für unsere Hunde. Wir sind dafür verantwortlich Situationen zu analysieren, sie abzuschätzen und daraufhin entsprechend zu handeln.

Der beliebte Satz „Das klären die schon unter sich“ fällt ebenfalls in diese Sparte.
Wieso sollten sie es unter sich klären, wieso können wir als Hundehalter nicht unseren Kopf davor einschalten und die Situation gar nicht erst entstehen lassen.

Das klären die unter sich!

Wenn man einen Hund hat, dann weiß man nach einiger Zeit, welche Situationen Stress bedeuten.
Ich möchte auch nicht sagen, dass man den Hund jetzt in Watte packen soll. Aber gewisse Situationen, wie zum Beispiel das nicht erwünschte Aufeinandertreffen von Hunden, kann man meist verhindern. Und ich finde sogar, man ist in der Pflicht sie zu verhindern.
Nicht nur wegen dem eigenen Hund, sondern auch wegen anderen Hundehalter oder Radfahrern oder Joggern oder Spaziergängern oder, oder, oder.
Es gibt schon genug Menschen, die einen Hals auf Hunde haben, wieso kann man es dann nicht einfach mit mehr gegenseitigem Respekt versuchen.

Hunde kommunizieren nicht ohne Grund

Hunde kommunizieren nicht ohne Grund, sie wollen sich mitteilen. Ob sie sich jetzt freuen, Angst haben, wütend sind, spielen wollen oder vieles mehr. Aber egal was es ist, sie wollen sich mitteilen und wir als Hundehalter haben verdammt nochmal zuzuhören.

Wenn der Hund sich mitteilen möchte, dann haben wir als Hundehalter verdammt nochmal zuzuhören. Klick um zu Tweeten

Vielleicht meint es der eigene Hund ja auch gar nicht böse und rennt ohne bellen auf andere zu. Prescht in sie hinein und möchte spielen. Das kann aber erstens wirklich gefährlich sein, denn wenn ein fremder Hund in ein vorhandenes Rudel einfällt, dann wird das oftmals als nicht so toll empfunden und zweitens ist es einfach super unangenehm für die Zugestürmten. Also nehmt ein bisschen mehr Rücksicht aufeinander, verschließt nicht die Augen vor den vielleicht vorhandenen Problemen Eures Hundes und nehmt seine Kommunikation wahr.


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7 Replies to “Kommunikation von Hunden und die Wahrnehmung der Hundehalter”

  1. Kenn ich auch leider zu gut. Nun hab ich auch so einen Stürmer. Durch gutes Training habe ICH gelernt ihm zuzuhören. Nun weiß ich, er stürmt und bellt weil – er denkt Angriff ist die beste Verteidigung. Nun bin ich da, damit er sich nicht verteidigen muss, und manchmal- wie in Deinem Artikel- hat man keine Chance! Das macht mich auch immer wütend! Und die Leute wundern sich dann über die Reaktion von meinem. Weil dann lass ich Ihn los. Früher habe ich ihn für seine Reaktion geschimpft. Das mach ich jetzt nicht mehr. Ich sage dann: Alles ok!
    .

  2. Offt sind es die Kleinen. Die kommen und ziehen schon die Leftzen hoch und stellen das Fell. Meiner knurrt zurück. Dann heißt es immer:-„Mein Kleiner macht nichts. Der ist absolut lieb und versteht sich mit jedem Hund und Mensch. Was ist ihr Hund für ein Agressiver“. Wenn ich diesen Schwachsinn höre könnte ich gerade, sorry, kotzen. Dann lass ich es mir nicht nehmen denen zu sagen, wie es wirklich ist und das ein Hund ein Tier ist. Und Tiere sind unberechenbar. Dann gehe ich weiter. Meiner stürmt auch bei größeren Hunde immer einen Schritt vor und bellt. Da hab ich dann festgestellt, das er der Meinung ist, erstmal auf Angriff, dann bleibt er von mir weg. Er hat nähmlich vor großen Hunden Angst/Respekt. Diese Anzeichen kann ich mittlerweile bei ihm auseinander halten. Jetzt werden die Gassis immer entspannter, weil ich mit den Situationen richtig umgehen kann.

    LG

  3. In einer Hundegruppe auf Facebook hatte sich kürzlich jemand darüber beschwert, dass dieses Thema im Moment so totgeritten würde. Und sich gleichzeitig dazu bekannt, dass sie ihre Hunde auch frei auf angeleinte Hunde zulaufen lässt, aber zurückruft, wenn der Halter sie darum bittet.

    Das ist ja schon einmal besser als viele andere, die auch dann nicht reagieren. Leider hat sie aber meiner Meinung nach nicht verstanden, dass es dann eben oft schon zu spät ist. Viele Hunde nehmen eben schon einen frei und direkt auf sie zulaufenden Hund als Bedrohung war (was ich bei unserem Mini-Pflegie auch verstehen kann, wenn zwei Riesenkälber auf sie zubrettern). Und wenn sie dann darauf entsprechend reagieren, ist auch die Frage, ob der freilaufende Hund noch abrufbar ist oder nicht direkt in Interaktion geht.

    Ich verstehe auch nicht, wo das Problem dabei ist, seinen freilaufenden Hund erst anzuleinen bei Sichtkontakt mit angeleinten Hunden, einen Bogen zu gehen und dann gegebenenfalls zu fragen, ob der Hund „Hallo“ sagen darf und alle Hunde abgeleint werden können. Oft laufen freilaufende, entgegenkommende Hunde ja auch einfach so weit voraus, dass der Besitzer noch gar nicht in Rufweite ist. Ich persönlich finde es anstrengend, dann jedes Mal schreien zu müssen.

    Deshalb freue ich mich immer wieder, wenn das Thema aufgegriffen wird – vielleicht sensibilisiert es ja den einen oder anderen doch noch.

  4. trailrunnersdog sagt: Antworten

    Ohja…ein leidiges Thema das mir immer und immer wieder förmlich Kopfschmerzen bereitet. Jeder Depp meint einen Hund halten zu müssen, ohne sich mit seinem Verhalten und Eigenarten beschäftigen zu wollen.

    Ich begegne immer wieder solchen ignoranten Hundehaltern auf den Runden mit meiner Hündin. Sie ist, zugegeben nicht ganz einfach und mag die wenigsten Hunde die ihr begegnen. Definitiv kein Hund mit dem man mal so nebenbei spazieren geht, sie erfordert volle Aufmerksamkeit.

    Eine dieser unzähligen Begegnungen mit Besitzern von „Der will nur spielen“ und „der tut nix“ haben mich dazu bewogen meine Frust in Form eines Blogbeitrages rauszulassen. Diskutieren bringt bei den meisten ja eh nix.

    http://trailrunnersdog.de/2016/02/wie-sollte-ich-mich-als-hundebesitzer-verhalten.html

  5. dem ist nichts hinzuzufügen. für mich ein lesenswerter artikel.

  6. sehr lesenswert dein Artikel und ja ich denke auch so. Ich finde auch unsere Hunden haben ein Recht darauf ihre eigene Sicherheitszone um sich rum zu haben. Wenn sie keinen Kontakt wollen, darf auch keiner auf sie zu stürmen. Wir stürmen doch auch nicht auf fremde Menschen zu. Den Satz das Regeln die unter sich, habe ich häufiger im Hundefreilauf gehört und gehen nun nur noch ungern dahin. Denn wenn ein Rudel auf einen einzelnen dazu gekommen Hund los schießt und dieser Satz fällt, ist das einfach nicht lustig. Ich hoffe die Hundehalter lernen dazu was Respekt und Rücksicht angeht.
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron

  7. Deine Zeilen sind sooo wahr, ich kann auch ein Lied davon singen. Erlebe hier täglich diese Stresssituationen, es ist jedesmal furchtbar ärgerlich und beängstigend für mich😞

    Liebe Grüße und einen schönen vierten Advent,
    Heike

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