Die verbotene Kommunikation der Hunde

Hundeerziehung

„Wer bellt, der hat keine Erziehung genossen – zumindest keine Gute“ – oder?

Es ist schon interessant. Man betritt eine neue Gruppe auf Facebook und da man ja auch nicht einfach ohne sich vorzustellen zu einer realen Gruppe dazustößt, stellt man sich eben vor.

Ich stelle mich also vor, schreibe von meinen Hunden und meinem Blog. Erzähle, dass Lemmy nicht mit jedem Hund klar kommt und Iggy vor vielen Menschen Angst hat. Ich erläutere die Hintergründe des Blogs und erzähle, wie viele Menschen ich damit täglich erreiche und das ich gemerkt habe, dass es vielen anderen ähnlich geht wie mir.

Ich schreibe das also alles nieder, damit mich die Menschen hinter den Laptops, Handys und Tablets besser kennen lernen, sie sollen wissen wer ich bin und mit wem man so schreibt. Vielleicht schwimmt man auf einer Wellenlänge und kann sich austauschen, vielleicht merkt man aber auch – „Oh ne, mit der komm ich nicht klar“ und geht sich dann eben virtuell aus dem Weg. Das ist ja alles kein Problem, denn nicht jeder muss mit jedem in einer Meinung übereinstimmen – wäre ja auch ganz schön langweilig.

Die ersten Kommentare trudeln unter meine Vorstellung ein. Manche wollen wissen, wie alt meine Hunde sind, andere interessiert es, wie mein Tag mit den Hunden abläuft.
Dann kommt eine Frage oder Aussage, die mich aufregt, die mich nervt und die ich einfach nur dumm finde.

Bild mit Text: "Wie wäre es mal mit Training! Kein Wunder, dass deine Hunde so unerzogen sind."

Wieso urteilt man ohne jemanden zu kennen?

Ich sitze an meinem Tablet und lese diese Aussage wieder und wieder. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder wütend werden soll. Wie kann sich ein Mensch, der weder mich noch meine Hunde jemals in echt gesehen hat, es sich einfach herausnehmen und sagen, meine Hunde seien unerzogen?
Die Begründung der Person war so simpel wie dämlich.

Bild mit Text: "Wenn der Hund mit anderen Hunden nicht klar kommt und mit Menschen nicht, dann ist er unerzogen."

Wahnsinn, wie kleinkariert und mit welchem schwarz-weiß Denken manche Menschen durchs Leben schwimmen. Ich versuche zu erklären, dass meine Hunde ein ganzes Stück davon entfernt sind perfekt zu sein, dass das aber auch niemals eine Intention von mir ist. Wieso sollten wir Menschen Macken haben dürfen und die Hunde keine?

Bild mit Text: "Wir beißen ja auch keine anderen Menschen oder töten Hunde."

Das ist die schlichte Antwort darauf.

Sorry, aber das hat mein Hund auch noch nie gemacht und es gibt sehr wohl Menschen, die Hunde töten – leider. Dafür habe ich Sorge zu tragen. Ich sage keinesfalls, dass Lemmy oder Iggy Anfängerhunde sind, dass sind sie nämlich definitiv nicht, aber man wächst mit seinen Aufgaben und mit seinen Hunden.
Mit einem Hund, der stark kommuniziert muss man einfach zwingender Maßen die Sprache (zumindest seines Hundes) lernen, denn sonst steht man vor einem noch viel größeren Problem. Dann hat man nämlich einen Hund, der für einen selber chinesisch redet, der einen nicht versteht, weil man für ihn japanisch redet in einer Welt, in der viele erwarten, dass Hunde zu funktionieren haben und gefälligst keine Widerworte geben sollen.

Wehe, da knurrt der Hund in einer Situation. Da fängt der erste „Experte“ schon an zuschreien, der Hund akzeptiert dich als Rudeloberhaupt nicht und ich denke mir nur:
1. Muss er nicht, denn bin ich nicht. Ich bin ein Mensch und er ist ein Hund und wir leben in einem Familienverband, in dem ich eine Sorgfaltspflicht für diesen Hund habe.
2. Wieso sollte er nicht knurren dürfen, dass ist als würden wir zu unseren Kindern sagen, also nein, darfst du niemals sagen, dass ist böse oder das gefällt mir nicht, du musst immer alles ertragen und toll finden.

Das Problem ist die verbotene Kommunikation

Wir wollen also mit einem Lebewesen zusammen leben, es aber nicht leben lassen. Ein Tier, dass lebt, seine eigenen Gedanken hat und auch seine eigenen Gefühle. Ein Tier, dass Schmerz, Trauer, Fröhlichkeit, Verlust, Freude und noch vieles mehr wahrnimmt. Ein Tier, dass riecht, wenn es uns schlecht geht, das sensibel auf seine Umwelt reagiert und diesem Tier wollen wir tatsächlich verbieten zu kommunizieren.
Zumindest alles andere außer freudiges Schwanzwedeln und vielleicht das Willkommensgebell. Alles andere wird wegerzogen und als unerzogen abgestempelt.
Das wollen wir und diese Gedanken werden leider immer noch viel zu oft in Hundeschulen und von Hundetrainern vermittelt. Die Wenigsten nehmen ein Bellen, ein Knurren oder ein Zähne fletschen als das hin was es ist -> KOMMUNIKATION.

Ich sage nicht, dass man so etwas einfach im Raum stehen lassen darf oder soll. Eine Person, die schreit oder anders ihren Unmut ausdrückt, würden wir ja auch nicht einfach so ignorieren. ABER ich sage, man soll es ernst nehmen und nicht als eine Unerzogenheit und eine Art von Ungehorsam abtun. Dann würden wir den Hunden nämlich ihre Rechte auf eigene Gefühle und einen eigenen Kopf aberkennen und das – möchte zumindest ist – definitiv nicht.

Also liebe Person X und jeder andere Person, die ähnlich gedacht hätte bei meinem Posting:
Ich bin unglaublich stolz auf meine Hunde und auf mich und meinen Freund. Wir haben gemeinsam so viel voneinander gelernt und werden bestimmt noch mehr lernen.
Ja, ich hatte schon professionelle Hilfe und einen Experten an meiner Seite, aber 1. bleiben manche Dinge einfach wie sie sind und das akzeptiere ich gerne und 2. ist ein Experte nicht immer des Rätsels Lösung.

Zu 1.: Ich habe für mich selber entschlossen, dass es vollkommen ok ist, wenn Lemmy nicht mit jedem Hund auskommt und das es auch ok ist, dass Iggy anderen Menschen gegenüber sehr misstrauisch ist. Für mich ist das ok, ich aktzeptiere meine Hunde wie sie sind. Das heißt nicht, dass ich ihnen nicht weiterhin zeige, dass die Welt nicht so schlimm ist, wie sie sie sich manchmal vorstellen. Es heißt, dass ich meine Hunde nicht auf Biegen und Brechen zu etwas machen will, dass sie niemals sein können.

Zu 2.: Ja, ein Hundetrainer KANN gute Tipps geben, er MUSS es aber nicht. Es gibt leider immer noch viele schwarze Schafe und man sollte keinesfalls wie ein Lämmchen der Herde folgen. Also nur weil ein angeblicher Experte irgendetwas sagt, muss es nicht stimmen.

Oft liest oder hört man auch:
Hundeblog Canistecture

Diese Aussage, finde ich persönlich, einfach nur gemein. Denn wieso sollte ich meinem Hund etwas aufbürden mit dem er nicht klar kommt. Wenn ich weiß, zum Beispiel mein Hund hat Angst vor fremden Männern und ich treffe auf einen, ja dann verlange ich doch nicht von meinem Hund, dass er extra nah bei dem Fremden vorbei laufen muss.
Natürlich nehme ich auch nicht Reißauß, aber ich unterstütze meinen Hund bei Situationen, die ihm unangenehm sind.

Ich habe übrigens schon einmal über perfekte Hundehalter und perfekte Hunde geschrieben, vielleicht möchtest Du diese Texte auch lesen.

Ein weiterer Artikel über das Bellen der Hunde habe ich auch schon geschrieben.

Wenn Dir dieser Text gefallen hat, dann würde es mich sehr freuen, wenn Du ihn weiterteilst.

19 Kommentare

  1. Liebe Anna,

    mach dir keinen Kopf. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Wert bei Hunden darauf gelegt wird, dass sie nett sind, dass sie sauber kommunizieren (aber bitte auch ausschließlich „nett“) und dass sie sich gut (?) benehmen. Dabei wird häufig den Hunden unsere moralische Vorstellung von „nett“ und „gut“ übergestülpt.
    Am Ende des Tages bleibt ein Hund aber immernoch ein Hund. Für Hunde gehört der agonistische Bereich (und damit sämtliches aggressionsgesteuerte Verhalten) zur ganz normalen Kommunikation dazu – wir Menschen können es nur nicht mehr aushalten, unseren Hunden dabei zuzusehen oder zuzuhören. Entsprechend haben immer weniger Hunde die Chance, dieses Stilmittel ihrer Kommunikation im Welpen- und Junghundealter im Spiel zu erlernen und zu verfeinern und können später nur noch grob und unangepasst, nicht mehr verhältnismässig agieren. Ja, das ist ein Erziehungsfehler – aber wer hier frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein.
    Unterm Strich bekommen wir Menschen das untereinander ja auch nicht viel besser hin.

    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Sophia, Hundeschule Heiduk 😉

  2. Super Beitrag, du sprichst mir aus der Seele! 🙂

  3. In diesem Text steckt so viel Wahrheit drin – und am besten wäre es wohl, ihn auszudrucken und jedem unter die Nase zu halten, der sich mal wieder heraus nimmt, einfach zu urteilen. Und was ich auch sehr wichtig finde und was Du hier sehr schön heraus gearbeitet hast: Bellen, Knurren, alle Arten der Kommunikation sind eine Reaktion. Unsere Aufgabe als Hundehalter ist es, die Ursache heraus zu finden und dann zu entscheiden, ob die Reaktion passt oder eben nicht. Wenn sie nicht passt, dann kann man mit viel Zeit, Geduld und Liebe daran arbeiten, an der Ursache zu arbeiten. Nur so kann sich die Reaktion darauf verändern.

  4. Hallo Anna!
    Danke für deinen schönen Blogbeitrag.
    Silva ist mein erster Hund und ich muss zugeben am Anfang habe ich mich so geschämt, weil sie bellt und manchmal knurrt. Mit den Jahren habe ich mich dann gefragt was ich wirklich möchte. Und Silva ist ein fantastischer Hund. Sie hat alles typische was ein Wachhund hat und mit dem Alter ist sie sehr eigen geworden, welchen Hund sie mag und nicht. Ich kann das mittlerweile gut akzeptieren. Da ich sehr einsam wohne finde ich es sogar sehr gut das sie bellt. Muss ja keiner wissen das sie nichts tut ;). Und wie du sagst Hunde kommunizieren doch nun einmal mit bellen und Knurren ( tue ich auch, hahaha ). Ich halte mich aus solchen Diskussionen raus. Solange sie auf mich hört und kommt wenn ich sie rufe und sie weiß das ich ihr Frauchen bin bin ich so zufrieden. Und jeder Gund ist verschieden. Duna bellt nur wenn ich etwas mache was sie auch machen möchte. Knurrt nie. Liebt alle Hunde und Menschen( außer alkoholisierte).
    Liebe Grüße von Simone mit Silva und Duna

  5. Super Artikel! Kann ich nur so unterschrieben. Wenn ich merke, dass Shiva eine Situation unangenehm ist, dann versuche ich Alternativen zu finden, die ihr angenehmer sind. Dazu gehört auch mal durch eine matschige Wiese zu gehen, damit der auf volle Flexileinenlänge ausgefahrene Der-tut-nix nicht Shivas Individualabstand unterschreitet. So geht sie trotz keifendem Der-tut-nix nebst Anhang ruhig vorbei und himmelt mich an. Würde ich sie in die Situation zwingen wäre wieder ein Vertrauensbruch vorprogrammiert.

    Du machst das schon richtig. Solange du mit ganzem Herzen dabei bist, finden dich deine Hunde sicher auch toll.

    Flauschige Grüße
    Sandra und Shiva

  6. Du hast soooo recht mit deinem Beitrag! Du sprichst mir aus der Seele! Timmy „sagt“ auch gerne, was er von anderen Hunden hält und wie oft mussten wir uns schon anhören, wie unerzogen er doch sei und wie wenig wir mit ihm klar kommen würden. Das die Leute aber mal drüber nachdenken, dass Timmy damit einfach nur ausdrückt „bitte anderer Hund komm mir nicht zu Nahe“ schnallen die nicht. Auf Grund mehrerer Angriffen fremder Hunde „sagt“ Timmy eben mittlerweile gleich was sache ist. Klar, trainieren wir das. In dem wir ihm versuchen zu unterstützen und ihm die Angst zu nehmen. Aber er darf trotzdem gern mitteilen, was er von dem anderen Hund hält.

    Liebe Grüße von uns

  7. Mit diesem Beitrag rennst du bei mir offene Türen ein. Toll geschrieben!
    Meine Hündin findet auch die meisten anderen Hunde doof (unter anderem weil sie in ihrer Jugend auf der Hundewiese oft zusammengemobbt wurde. „Aber die klären das ja unter sich.“) und zeigt das eben auf ihre hündische Art. Das verstehen viele nicht. Die verstehen auch nicht, dass ich keinen Hundekontakt möchte, weil „der Hund das ja braucht“.
    Mein Rüde hingegen findet manche Menschen gruselig und bellt eben, wenn er überfordert ist mit der Situation. Ich denk mir dann immer: Der ist keine Puppe. Der muss nicht von jedem gestreichelt werden.
    Also lass dich nicht von irgendwelchen Kommentaren kränken. Wie du selbst festgestellt hast, kennen dich diese Personen nicht. Außerdem bist du nicht allein mit deinen „unerzogenen Hunden“. 😉

  8. Kim Kyra Lüders sagt: Antworten

    Dieser Artikel ist Gold wert. Meine Alma, aus Rumänien, kommt auch nicht mit jedem Hund klar. Auch ich musste mir schon “ Ratschläge “ und wirklich böse Kommentare anhören. Unser Neuzugang, 16 Wochen alter Rotti, knurrt wenn er etwas nicht möchte. Wie soll er es denn anders zeigen. Auch Alma, wie soll sie es denn anders zeigen, dass sie ihre bestimmte Distanz zu anderen Hunden braucht, ausser mit Bellen, wenn diese, trotz meiner Erklärung, überschritten wird. Hunde sollen funktionieren, mit jedem Hund klar kommen. Nein, das müssen sie nicht! Und ich werde meine Hunde nicht durch Situationen “ zerren „, welche Ihnen Stress, Unbehagen oder gar Angst verursachen. Da ist mir die Meinung der Allgemeinheit und der Halter der “ perfekten “ Hunde mittlerweile vollkommen egal.ich bin für das Wohlbefinden meiner Hunde verantwortlich, und für den Erhalt des Vertrauens, welches sie mir entgegen bringen.

  9. Du sprichst mir so aus dem Herzen!!!

  10. Danke!
    Wir haben eine kommunikationsfreudige Spanierin in unserer Familie. Für uns ist es ein Erfolg, dass sie zwar immer noch bellt, aber nicht – wie anfangs – völlig ausrastet und dabei Saltos schlägt. Außerdem hört sie auch wieder auf – also meistens. 🙂

    Wenn wir das Haus verlassen bellt Jara, nach dem Motto „Ich bin da, wo seid Ihr alle?“
    Wenn wir in der Ferne einen anderen Hund (oder einen bekannten Menschen) sehen, bellt Jara: „Hallo, warte, ich komme, ich bin auf dem Weg, hätte ich das lahme Frauchen nicht an der Leine, wäre ich schon da! Nicht weglaufen!!!“

    Auch wir haben unsere „Erziehungsversuche“ hinter uns. Aber Jara ist nun einmal eine kommunikative junge Frau…. Und sie hat sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten an uns angepasst – aber still, das ist sie nicht. Wir lassen sie reden – nicht immer zur Freude der anderen, aber ihr geht es damit gut.

    Unser zweiter, alter Hund (15 J.), der an einer Demenz leidet, bellt seit einiger Zeit gar nicht mehr (Sprachzentrum kaputt?). Das ist richtig komisch, obwohl er immer schon der Schweigsame war.

    Also nochmal danke für den Artikel.

  11. Liebe Anna,

    Vielen herzlichen Dank für diesen Text!

    Leider gibst noch viele Hundehalter, die den alten Dominanzanschauungen weiterhin Glauben schenken und für die ein Hund kein fühlendes Lebewesen, sondern ein Gebrauchsgegenstand ist, der zu funktionieren hat.
    Wenn ich da an einige TV-Hundeflüsterer denke, männlich und weiblich, die propagieren, dass man dem Hund als Beziehungsbasis konsequent Unmutsäußerungen verbieten muss, damit er „lernt“, dass der Mensch alles regelt und der Hund sich darauf verlassen kann, rollen mir alle Zehennägel hoch.
    Noch nie hab ich Jemandem vertraut, der mich dazu gezwungen hat, ihm zu vertrauen und der mir verboten hat, meine Empfindungen sichtbar nach außen zu zeigen.
    Doch das verlangen immer noch viele (auch angeblich moderne) Hundetrainer.
    Und dabei kann es so schön und auch für Hund und Halter gemeinsam, erfüllend und entspannend wirken, wenn man versucht den Hund zu verstehen und dementsprechend auf ihn eingeht.
    Verstehen kann ich aber nur, was mir mitgeteilt wird – nicht, was zum Schweigen verdammt wird.
    Leider werden Hunde immer noch von manchen Menschen dazu missbraucht, das eigene Bedürfnis nach Macht und Kontrolle zu befriedigen.
    Schön, dass es auch viele andere HH gibt, welche sich mit dem Hund als Persönlichkeit, anstatt als Objekt, befassen.

    LG, Angie

  12. Das ist wirklich ein sehr schöner Text, den man viel, viel verbreiten sollte – was ich auch über unsere Seite „Gewaltfreies Hundetraining“ tun werde.
    Überhaupt gefällt mir dein Blog sehr gut.
    Mach weiter so.
    Liebe Grüße aus der Uckermark
    Ute Rott

  13. Hallo Anna,

    das ist auch leider meine Erfahrung, – gerade Menschen die weder mich noch meinen Hund näher und genauer kennen, die nicht 24/7 mit uns zusammen sind, melden sich ungefragt mit „ganz schlauen“ Ratschlägen lauthals zu Wort ohne die genauen Hintergründe oder Fakten zu kennen. – Meist haben sie noch nicht einmal „Hundeerfahrung“!

    Ich habe einem Hund aus dem Tierheim ein neues und schöneres Zuhause gegeben und er ist in der Zeit bei mir in ganz vielen Bereichen ruhiger und ausgeglichener geworden, – und hat unglaubliche Fortschritte gemacht. Ich kann das beurteilen, denn ich bin 24/7 mit ihm zusammen. Ja auch ich sehe da noch einige Punkte an denen wir gemeinsam arbeiten werden um auch dort eine – aus menschlicher Sicht „Verbesserung“ herbei zu führen, doch das wird immer so bleiben, solange der Hund lebt bleibt man am Ball.

    Ich habe auch professionelle Unterstützung, doch die ist nicht des Rätsels Lösung, kann nur unterstützen. Wenn ich mit dem Hund zur Hundeschule gehe, dann sind da auch mal Hunde dabei, die sich nicht mögen, wo die Chemie nicht so passt. – Ja und? Wie ist das denn bei uns Menschen? Da gibt es auch Unsympathen oder aber man trifft jemanden und ist sofort positiv berührt.

    Ich wollte einen loyalen Begleiter im täglichen Leben, einen wirklichen Freund, und den habe ich bekommen. Und was diese selbst ernannten „Hunde-Experten“ sagen, ja das geht mir so was von am Arsch vorbei, – an meinem Riesen Hinterteil!

    Das geht ins rechte Ohr rein und wird sofort durchgeleitet, – damit es aus dem linken Ohr wieder raus gehen kann!

    Euch eine schöne und erfüllte Zeit!

    Lieben Gruß aus der Rattenfänger-Stadt

  14. Schön geschrieben, stimme dir sehr zu! Gerade die „Ferndiagnosen“ im Internet sind ein leidiges Thema, da sich dort sooo viele „Experten“ rumtummeln – haarsträubend!

  15. Hallo Anna,

    nur ein kurzer Gedanke. Bei Menschen ist es doch auch nicht anders: Manche kommen nicht mit anderen Menschen klar, andere kommen nicht mit Hunden klar. Wieso sollte man diese Charaktereigenschaften also Hunden (und Tieren allgemein) aberkennen? Zeugt vermutlich einfach von einem verqueren Weltbild („wir, die Menschen, sind den Tieren überlegen“) und nicht vorhandener Empathie.

    Ich finde es gut, dass ihr euch dieser Aufgabe gestellt habt und noch immer stellt. Wie viele Leute hätten eure Hunde bereits ins Tierheim gegeben oder an der Autobahn ausgesetzt. Wieder: Mit einem menschlichen Familienmitglied würde man so was doch auch nicht machen.

    Liebe Grüße
    Christian

  16. Ein Hundeleben mit Epilepsie sagt: Antworten

    Danke für deinen Beitrag, erklärt super auf und regt hoffentlich bei einigen zu nachdenken auf.

  17. Bruno Schmitts sagt: Antworten

    Hier wird mir von der Seele geschrieben und ich kenne das nur allzu gut. Man müsste daraus ein Flugblatt machen und verteilen.

  18. dieser beitrag gefällt mir auch.
    deine beschreibung gibt wieder, warum ich nicht in solchen „üblichen hundegruppen“ bin. gelegentlich bin ich schon in solche gruppen eingeladen worden, wo das so abgeht. für mich ist das die pure zeitschwendung. sowas erspare ich mir und investiere meine zeit lieber in meine hunde.
    leider ist es heute so, dass kommunikation unter hunden nur insoweit gestattet wird, wie es den leuten gerade in dne kram passt. udn man muss es mal sagen, hunde, denen man einfach alles erspart, die man auf „netten umgang“ trimmt, denen man die möglichkeiten zum lernen nicht gestattet, die nie gelernt haben mit konflikten umzugehen, die können schlicht keine wirkliche soziale kompetenz entwickeln.
    und soziale kompetenz zeichnet sich nicht dadurch aus, dass ein hund immer „nett“ ist!
    ausserdem halte ich es für eine echt kritische sache, einem hund planmässig jegliche äusserung von aggressiverer kommunikation abzuerziehen. das führt dazu, dass ein hund letztendlich keine eskalationsstufen mehr zeigt. dann gibt es irgendwann nur noch schwarz oder weiss, nett sein oder zubeissen.
    sicher, die gratwanderung ist nicht immer leicht. wann muss ich einen hund in seinen reaktionen bestärken, wann muss ich ihn in seinen reaktionen bremsen, was kann ich laufen lassen, was muss ich abbrechen. dazu braucht es doch wissen udn auch erfahrung. aber das kann man ja lernen, wenn man das will.
    und ja, ich sehe es auch so, dass es immer noch einen erschreckend hohen anteil an schwarzen schafen unter den hundetrainern gibt. was da manches mal an inhalten vermittelt wird, das ist schon gruselig. daran hat auch die einführung §11 blablabla leider nichts geändert. leider bestimmt nach wie vor jeder trainer selber, auf welchem niveau er arbeitet. ich will nichts zu methodiken sagen, es führen viele wege nach rom, da hat wohl keiner das allein seligmachende gepachtet. wer aber als trainer glaubt, auf jegliche weiterbildung verzichten zu können, seine „methode“ als allein gültige und beste anpreisen zu müssen und nicht mehr neugierig und offen sein zu müssen, der sich nicht weiterentwickelt, der nicht in der lage ist, über den tellerrand zu schauen, den sollte man wohl besser meiden, denn der hat irgendwas nicht wirklich verstanden…
    ich möchte eigentlich jeden hundebesitzer ermutigen, viel mehr auf sein bauchgefühl zu hören. sein bauchgefühl muss man nicht hinterfragen, man sollte einfach nur danach handeln. die meisten menschen haben dieses natürlich bauchgefühl für ihren hund. sie trauen ihm nur nicht, weil ihnen überall eingeredet wird, dass sie keinesfalls ohne prof. hilfe in der lage sind, einen hund zu führen. und das stimmt keinesfalls!

  19. Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele.
    Ebenfalls habe ich zwei Hunde. Zum einen Kiara, 12 Jahre, die den Labrador Retriever optisch nicht verleugnen kann. Labbis sind bekannt dafür, distanzlos jeden Menschen und Hund zu mögen. Kiara weiß davon allerdings nichts und findet Fremdhundekontakte unnötig. Ich kann damit sehr gut leben, aber was darf ich mir teilweise anhören, wenn ich bitte, den anderen Hund bei sich zu behalten? „Kein Wunder das Ihr Hund asozial ist, wenn jeder Kontakt verweigert wird. Wie soll er dass denn lernen?“ Kennen mich diese Personen, die ich vielleicht nur einmal im Leben begegne? Sie schließen von einer Momentaufnahme auf meinen Umgang mit meinen „armen“ Hunden, die ja angeblich keinen Kontakt zu anderen Hunden haben.
    Das stimmt aber gar nicht. Meine Hunde haben Kontakt mit Artgenossen, allerdings nicht mit mir unbekannten Hunden.
    Dann ist da noch Caro, ca. 6 Jahre, Mops(-Mix?), als Gebärmaschine ausgedient. In März 2015 zog sie ein.
    Caro ist blind und leidet durch mangelnde Prägung am Deprivationssyndrom. Für Caro ist die Welt unheimlich und sie bellt viel. Meine Trainerin schätzt, dass sie so aufmerksamkeit erhalten hat (egal ob positiv oder negativ) und einen Aus-Knopf gibt es natürlich nicht. 😉 Entsprechend habe ich einen Kläffer und Kläffer sind niemals erzogen!
    Ich bin sehr stolz auf Caro. Sie steht gut im Gehorsam, ich kann sie trotz Blindheit ohne Leine laufen lassen und sie ist sogar sehr sozial. Aber auch sie lasse ich nicht zu Fremdhunden hin. Als sie einzog war ich noch im guten Glauben, dass andere Hundehalter ihre Hunde kennen und lesen können. Das war mein größter Irrglaube. Inzwischen kann ich die Körpersprache vieler Hunde lesen und erlaube allgemein keinen Fremdhundkontakt mehr.
    Manchmal passiert es, dass meine Mädchen gemeinsam pöbeln. Kiara reagiert dabei auf das drohen des entgegenkommenden Hundes und Caro macht dann einfach mit. Dann darf ich mir anhören, dass es doch nicht sein kann, dass ich zwei Hunde habe, wenn die „jeden Hund töten“ wollen.
    Momentaufnahmen ohne Ende, über die dann einfach geurteilt werden.
    Hey. Meine Nachbarn haben einen schwarzen Labbi. Ich habe ihn noch nie spazieren gehen gesehen. Geht er vielleicht nicht spazieren? Geht er zu anderen Zeitpunkten spazieren? Fahren sie viel auswärts spazieren? Ich weiß es nicht und daher kann ich auch nicht urteilen.

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