Gedanken, Leben mit Hund
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Die verbotene Kommunikation der Hunde

Hundeerziehung

„Wer bellt, der hat keine Erziehung genossen – zumindest keine Gute“ – oder?

Es ist schon interessant. Man betritt eine neue Gruppe auf Facebook und da man ja auch nicht einfach ohne sich vorzustellen zu einer realen Gruppe dazustößt, stellt man sich eben vor.

Ich stelle mich also vor, schreibe von meinen Hunden und meinem Blog. Erzähle, dass Lemmy nicht mit jedem Hund klar kommt und Iggy vor vielen Menschen Angst hat. Ich erläutere die Hintergründe des Blogs und erzähle, wie viele Menschen ich damit täglich erreiche und das ich gemerkt habe, dass es vielen anderen ähnlich geht wie mir.

Ich schreibe das also alles nieder, damit mich die Menschen hinter den Laptops, Handys und Tablets besser kennen lernen, sie sollen wissen wer ich bin und mit wem man so schreibt. Vielleicht schwimmt man auf einer Wellenlänge und kann sich austauschen, vielleicht merkt man aber auch – „Oh ne, mit der komm ich nicht klar“ und geht sich dann eben virtuell aus dem Weg. Das ist ja alles kein Problem, denn nicht jeder muss mit jedem in einer Meinung übereinstimmen – wäre ja auch ganz schön langweilig.

Die ersten Kommentare trudeln unter meine Vorstellung ein. Manche wollen wissen, wie alt meine Hunde sind, andere interessiert es, wie mein Tag mit den Hunden abläuft.
Dann kommt eine Frage oder Aussage, die mich aufregt, die mich nervt und die ich einfach nur dumm finde.

Bild mit Text: "Wie wäre es mal mit Training! Kein Wunder, dass deine Hunde so unerzogen sind."

Wieso urteilt man ohne jemanden zu kennen?

Ich sitze an meinem Tablet und lese diese Aussage wieder und wieder. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder wütend werden soll. Wie kann sich ein Mensch, der weder mich noch meine Hunde jemals in echt gesehen hat, es sich einfach herausnehmen und sagen, meine Hunde seien unerzogen?
Die Begründung der Person war so simpel wie dämlich.

Bild mit Text: "Wenn der Hund mit anderen Hunden nicht klar kommt und mit Menschen nicht, dann ist er unerzogen."

Wahnsinn, wie kleinkariert und mit welchem schwarz-weiß Denken manche Menschen durchs Leben schwimmen. Ich versuche zu erklären, dass meine Hunde ein ganzes Stück davon entfernt sind perfekt zu sein, dass das aber auch niemals eine Intention von mir ist. Wieso sollten wir Menschen Macken haben dürfen und die Hunde keine?

Bild mit Text: "Wir beißen ja auch keine anderen Menschen oder töten Hunde."

Das ist die schlichte Antwort darauf.

Sorry, aber das hat mein Hund auch noch nie gemacht und es gibt sehr wohl Menschen, die Hunde töten – leider. Dafür habe ich Sorge zu tragen. Ich sage keinesfalls, dass Lemmy oder Iggy Anfängerhunde sind, dass sind sie nämlich definitiv nicht, aber man wächst mit seinen Aufgaben und mit seinen Hunden.
Mit einem Hund, der stark kommuniziert muss man einfach zwingender Maßen die Sprache (zumindest seines Hundes) lernen, denn sonst steht man vor einem noch viel größeren Problem. Dann hat man nämlich einen Hund, der für einen selber chinesisch redet, der einen nicht versteht, weil man für ihn japanisch redet in einer Welt, in der viele erwarten, dass Hunde zu funktionieren haben und gefälligst keine Widerworte geben sollen.

Wehe, da knurrt der Hund in einer Situation. Da fängt der erste „Experte“ schon an zuschreien, der Hund akzeptiert dich als Rudeloberhaupt nicht und ich denke mir nur:
1. Muss er nicht, denn bin ich nicht. Ich bin ein Mensch und er ist ein Hund und wir leben in einem Familienverband, in dem ich eine Sorgfaltspflicht für diesen Hund habe.
2. Wieso sollte er nicht knurren dürfen, dass ist als würden wir zu unseren Kindern sagen, also nein, darfst du niemals sagen, dass ist böse oder das gefällt mir nicht, du musst immer alles ertragen und toll finden.

Das Problem ist die verbotene Kommunikation

Wir wollen also mit einem Lebewesen zusammen leben, es aber nicht leben lassen. Ein Tier, dass lebt, seine eigenen Gedanken hat und auch seine eigenen Gefühle. Ein Tier, dass Schmerz, Trauer, Fröhlichkeit, Verlust, Freude und noch vieles mehr wahrnimmt. Ein Tier, dass riecht, wenn es uns schlecht geht, das sensibel auf seine Umwelt reagiert und diesem Tier wollen wir tatsächlich verbieten zu kommunizieren.
Zumindest alles andere außer freudiges Schwanzwedeln und vielleicht das Willkommensgebell. Alles andere wird wegerzogen und als unerzogen abgestempelt.
Das wollen wir und diese Gedanken werden leider immer noch viel zu oft in Hundeschulen und von Hundetrainern vermittelt. Die Wenigsten nehmen ein Bellen, ein Knurren oder ein Zähne fletschen als das hin was es ist -> KOMMUNIKATION.

Ich sage nicht, dass man so etwas einfach im Raum stehen lassen darf oder soll. Eine Person, die schreit oder anders ihren Unmut ausdrückt, würden wir ja auch nicht einfach so ignorieren. ABER ich sage, man soll es ernst nehmen und nicht als eine Unerzogenheit und eine Art von Ungehorsam abtun. Dann würden wir den Hunden nämlich ihre Rechte auf eigene Gefühle und einen eigenen Kopf aberkennen und das – möchte zumindest ist – definitiv nicht.

Also liebe Person X und jeder andere Person, die ähnlich gedacht hätte bei meinem Posting:
Ich bin unglaublich stolz auf meine Hunde und auf mich und meinen Freund. Wir haben gemeinsam so viel voneinander gelernt und werden bestimmt noch mehr lernen.
Ja, ich hatte schon professionelle Hilfe und einen Experten an meiner Seite, aber 1. bleiben manche Dinge einfach wie sie sind und das akzeptiere ich gerne und 2. ist ein Experte nicht immer des Rätsels Lösung.

Zu 1.: Ich habe für mich selber entschlossen, dass es vollkommen ok ist, wenn Lemmy nicht mit jedem Hund auskommt und das es auch ok ist, dass Iggy anderen Menschen gegenüber sehr misstrauisch ist. Für mich ist das ok, ich aktzeptiere meine Hunde wie sie sind. Das heißt nicht, dass ich ihnen nicht weiterhin zeige, dass die Welt nicht so schlimm ist, wie sie sie sich manchmal vorstellen. Es heißt, dass ich meine Hunde nicht auf Biegen und Brechen zu etwas machen will, dass sie niemals sein können.

Zu 2.: Ja, ein Hundetrainer KANN gute Tipps geben, er MUSS es aber nicht. Es gibt leider immer noch viele schwarze Schafe und man sollte keinesfalls wie ein Lämmchen der Herde folgen. Also nur weil ein angeblicher Experte irgendetwas sagt, muss es nicht stimmen.

Oft liest oder hört man auch:
Hundeblog Canistecture

Diese Aussage, finde ich persönlich, einfach nur gemein. Denn wieso sollte ich meinem Hund etwas aufbürden mit dem er nicht klar kommt. Wenn ich weiß, zum Beispiel mein Hund hat Angst vor fremden Männern und ich treffe auf einen, ja dann verlange ich doch nicht von meinem Hund, dass er extra nah bei dem Fremden vorbei laufen muss.
Natürlich nehme ich auch nicht Reißauß, aber ich unterstütze meinen Hund bei Situationen, die ihm unangenehm sind.

Ich habe übrigens schon einmal über perfekte Hundehalter und perfekte Hunde geschrieben, vielleicht möchtest Du diese Texte auch lesen.

Ein weiterer Artikel über das Bellen der Hunde habe ich auch schon geschrieben.

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Kategorie: Gedanken, Leben mit Hund

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Ich bin ein kreativer Chaot, liebe das Schreiben, aber noch mehr die gemeinsame Zeit mit meinen Hunden. Da meine beiden Hunden alles andere als leicht sind - jeder auf seine ganz persönliche Art - wollte ich mit Canistecture einen Ort schaffen an dem ich alle Seiten des Hundehalterlebens zeige. Die Schönen, genauso wie die weniger schönen. Genau diesen Ort habe ich mit Canistecture geschaffen.

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