Der perfekte Hundehalter

Der Hund ist die Tugend, die sich nicht zum Menschen machen konnte.

Victor Marie Hugo (1802 – 1885)

Ist der perfekte Hundehalter jemand, der mit seinem Hund sieben verschiedene Sportarten macht?
Barft der perfekte Hundehalter seinen Hund?
Lässt der perfekte Hundehalter seinen Hund in einem eigenen Zimmer schlafen?
Ist der perfekte Hundehalter der Rudelführer?
Geht der perfekte Hundehalter mindestens 5 Stunden täglich mit seinem Hund raus?
Hat der perfekte Hundehalter einen Hund, der nie an der Leine zieht, immer hört und auch sonst nie Mist baut?


Wenn man diese Fragen alle mit „ja“ beantworten muss um ein perfekter Hundehalter zu sein, dann bin ich ein verdammt grottiger Hundehalter.

Wer vergleicht ständig?

Das sind ja wohl nur wir selber. Ständig steht man im Wettstreit mit anderen Hundehaltern (so kommt es mir zumindest vor). Sei es im realen Leben oder in der Online-Welt.
Da wird gefragt:
Welches Fütter fütterst du?
Wie lang bist Du mit deinem Hund draußen?
Wie lang muss dein Hund allein bleiben?
Wie viele Kunststücke kann dein Hund?

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Wenn man keine Lust hat auf diesen Wettstreit, dann heißt es schnell „Ja du weißt wohl, dass es deinem Hund nicht gut geht“ / „Dein Hund kommt bestimmt gar nicht raus“ oder ähnliches.
Ich halte mich schon lange aus solchen Konkurrenzkämpfen heraus, denn meiner Ansicht nach bringt dieses ständige Vergleiche überhaupt nichts, außer vielleicht Feindschaft und Verunsicherung.

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Was will der Hund – was braucht der Hund

Diese Vergleiche sind schon allein daher kompletter Müll, weil jeder Hund ein Individuum ist. Was ein Hund braucht beruht nicht allein darauf, welche Rasse in ihm steckt, sondern welche Persönlichkeit und welche Vorlieben er hat.
Wenn man seinen Hund nur nach dem Plan anderer versorgt, dann kann das gewaltig nach hinten los gehen.
Es gibt, genauso wie bei uns Menschen, auch bei Hunden unterschiedliche Persönlichkeiten, Interessen und Vorlieben.
So spielt der eine Hund gerne und der andere schaut das Spielzeug wie ein Ufo an.
Das Gleiche gilt beim Futter und bei sonst jeder anderen Situation auch.
Ein Hund funktioniert nicht nach Plan (darüber habe ich hier schon mal geschrieben), ein Hund lebt und ein Hund entwickelt sich.

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Und wer ist jetzt der perfekte Hundehalter?

Für mich macht einen perfekten Hundehalter nicht die tägliche Gassizeit oder das super teuere Futter aus.
Ein perfekte Hundehalter ist für mich ein Mensch, der auf seinen Hund eingeht. Ein Mensch, der sich mit seinem Hund auseinander setzt und ihn kennen lernt und irgendwann dann auch kennt.
Jemand, der vor Hürden nicht scheut, sondern sie gemeinsam mit seinem Hund meistert.
Ein perfekte Hundehalter ist für mich jemand, der seinen Hund wo immer es geht unterstütz und ihm ein angenehmes Leben bereiten will.

Denn wenn wir ganz ehrlich sind, dann machen weder Trainingsstunden, noch tausend verschiedene Spielzeuge oder das teuerste Futter der Welt ein Hundeleben erfüllter, sondern die Menschen mit denen ein Hund sein Leben teilen darf (und ob das jetzt im Bett oder auf dem Sofa ist, das ist jedem selbst überlassen 😉 ).


 

Also setz dich bitte nicht unter Druck, wenn es länger dauert bis dein Hund stubenrein ist, wenn dein Hund den ein oder anderen Schuh zerstört oder wenn dein Hund länger braucht bis er versteht, dass er seinen Popo auf den Boden packen soll, wenn Du „Sitz“sagst.
Erkundige dich über die verschiedenen Möglichkeiten – in welchem Bereichen auch immer – und entscheide dann selber was für dich und deinen Hund am passendsten ist.

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12 Kommentare

  1. AMEN!
    Liebe Anna,
    ich gebe dir vollkommen recht. Es ist grauenhaft und unfassbar nervig, welchen ständigen Konkurrenzkampf es unter Hundehaltern gibt. Das ist etwas, mit dem vor der Anschaffung eines Hundes mit Sicherheit nicht gerechnet habe. ^^ Dabei sollte uns nur eines wichtig sein: dass Hund und Halter ein Team sind.
    Liebste Grüße, Kathy

  2. Liebe Anna,

    ich bin da ganz deiner Meinung. Jeder Hund ist ein Individuum, das eben nicht nach Schema „F“ funktioniert oder behandelt werden muss. Was vielen Hundehaltern abhanden gekommen ist, zumindest was ich eine Zeit lang auch bei mir feststellen musste, ist das Bauchgefühl. Ein Gefühl für seinen Hund zu entwickeln, was er tatsächlich braucht und nicht, was andere meinen, was gut für den Hund ist. Vielen Dank für diesen Blogbeitrag, Anna!

    Liebe Grüße
    Silvana

  3. Du sprichst mir aus der Seele. Ich mach mir ständig Gedanken darüber ob ich ein guter Hundehalter bin und ich fühl mixh auch oft unter Druck gesetzt … Vor allem jetzt mit gescheiterten barf – Projekt hab ich ein komisches Gefühl im Bauch …
    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag!!!

  4. MelAny sagt: Antworten

    Ein schöner Beitrag und ich stimme dir zu.
    Der perfekte Hundehalter hat ein gutes Management. Er bringt seinen Hund nicht in Situationen, die er noch nicht meistern kann. Er schafft Raum, indem Lernen möglich ist. Hier gibt er seinen Hund Zeit, findet Möglichkeiten seinen Hund zu motivieren, indem er auf die Interessen des Hundes eingeht, weil er diese als perfekter Hundehalter gut kennt. Er setzt sich mit dem Charakter seines Hundes auseinander und sucht Beschäftigungen, die beiden Spaß machen. Er trainiert mit seinem Hund auf das Ziel hin, dass dieser sich in der Umwelt unauffällig und stressfrei bewegen kann. Für den perfekten Hundehalter muss der Hund nicht perfekt sein, er muss glücklich sein.

    Liebe Grüße

    Melanie

  5. Robert sagt: Antworten

    Dazu braucht man nichts mehr sagen, denn es wurde auf den Punkt gebracht 🙂

  6. Gandalfine sagt: Antworten

    „Hört auf, perfekt sein zu wollen!“, kann ich da nur sagen. Genauso, wie der Hund eben nicht perfekt ist, so seid ihr es auch nicht. Und – ganz wichtig – MÜSST es auch nicht sein.
    Ich bin mit Hund aufgewachsen, das war in den 80zigern, und jetzt seit ca. 4 Monaten habe ich einen eigenen Hund. Das war schon ein kleiner Kulturschock. Einer der Gassigänger aus dem Tierheim, wo wir den Hund herhaben, hat es eigentlich gut auf den Punkt gebracht: „Leider ist die Hundehaltung nicht mehr so entspannt wie früher.“ So nach dem Motto: „Da kommt was auf euch zu, seid gewarnt!“ Nun, das klingt dramatischer als es ist, aber ich gebe ihm recht. Und uns allen – Hundehaltern und Nichthundehaltern – würde eine gehörige Portion Entspannung das Leben freudiger machen. Da glaube ich ganz fest dran.
    Danach strebe ich. Und nicht nach Perfektionismus.

    =)
    Gandalfine

  7. Mir geht solch Kinderkram auch am allerwertesten vorbei.

    Wer der perfekte Hundehalter ist? Meiner Meinung ist es der, der die individuellen Bedürfnisse seines Hundes erkennt und (im Rahmen von Gesetzen und Verordnungen) befriedigt 🙂

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

  8. […] schön fand ich auch den Artikel von Anna „Der perfekte Hundehalter“, die ziemlich gut beschreibt, wie oft und „unterschwellig“ wir Hundefreunde uns doch […]

  9. Ich kann dir nur zustimmen! Du sprichst mir einfach aus der Seele!!!
    Ein wahrer und ehrlicher Beitrag 🙂 Die Leute kommen immer zu mir und sagen, ach du bist angehende Hundetrainerin dein Hund muss das ja perfekt beherrschen. äh nein?! Mein Hund kann auch nicht alles und das muss er auch nicht. Er soll nur das können was ich für am wichtigsten befinde. Ja er ist ein Rüde und ja er ist unkastriert. Er ist verträglich mit anderen, aber er kann doch nicht jeden mögen! Und manchmal hat mein Hund auch Kopfschmerzen oder sonstiges und motzt einen andern Hund eben an… Wir sind auch nicht perfekt, aber das wollen wir auch nicht sein. Mein Hund soll immer noch Hund sein und kein perfekt funktionierendes Gerät.

    Wir funktionieren als Team total super und das ist für mich das wichtigste das zählt 🙂
    Allerliebste Grüße
    Lisa & Finn

  10. Du sprichst mir aus der Seele.
    Dieses ewige vergleichen ist anstrengend und unnötig, vielen Dank für deinen auf den Punkt gebrachten Beitrag!

    Liebe Grüße
    Christian

  11. Ich finde die Gedanken wichtig, Perfektionismus und Wettstreit tun niemandem gut – aber ich kann nicht zustimmen, dass früher alles besser war… Ich bin froh, dass Hundehalter kritisch mit sich und anderen sind und sich Gedanken machen. Auch, wenn dabei halt nicht alles „perfekt“ ist 😉
    Fragen stelle ich auch – aber aus Interesse, schließlich kann man von jedem etwas lernen.

  12. Monika sagt: Antworten

    Du sprichst mir aus der Seele! Ich habe auch einen Hund aus Rumänien. Schäfer/Hasky und ???-Mix. 🙂 Er ist auch ein Problemhund. Viele schümpfen, der ist nicht erzogen. Der ist agressiv. Aber das war alles nur Unsicherheit, Angst und er ist sehr sensibel. Das musste ich auch erst einmal lernen welche Anzeichen was bedeuten. Das hat halt seine Zeit gedauert. Jetzt nach zwei Jahren sind wir auf einen guten Weg. Es ist noch nicht so das ich sagen würde ich vertraue ihm in jeder Situation, aber ich kann damit leben und er ist immer für mich da. Ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Ich wachse jeden Tag mit meinen Aufgaben und er auch. Gleich einen perfekten, in Anführungszeichen, Hund zu haben ist doch langweilig. Ich sage nur „Daumen Hoch“ für jeden, der einen Hund aus dem Ausland nimmt und für ihn da ist.

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