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Die Sicht der Dinge

und wie Hunde sie verändern

Als ich noch keinen eigenen Hund hatte, bin ich nur selten auf dem Land spazieren gegangen. Wieso auch?  Auch die Stadt beim Bummeln habe ich mit anderen Augen gesehen, als ich sie jetzt als Hundehalterin sehe.

 

 

Seit Lemmy und Iggy in mein Leben gekommen sind, sehe ich vieles mit anderen Augen und vieles sehe ich zum ersten Mal. Früher wanderte mein Blick von einem Schaufenster ins nächste, jetzt wandert mein Blick durch die Masse. Läuft dort eventuell ein Mann mit hoch gezogenem Schal, vor dem Lemmy Angst haben könnte? Kreuzt ein anderen Hund unseren Weg? Auf solche Begegnungen muss ich mich schließlich vorbereiten.

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Als Nichthundehalter schätzt man Situationen ganz anders ein. Dies wurde mir gestern Abend mal wieder bewusst. Ich war Gassi und vor mir lief eine Frau, da diese sichtlich Angst vor Hunden hatte, hielt ich Abstand [schließlich ist es meiner Meinung nach besser, wenn jeder auf jeden Rücksicht nimmt und nicht immer nur an sich und sein Wohl denkt]. In ein bisschen Entfernung sah ich schon einen Mann mit einem Kind. Der Mann zog das Kind auf einem Schlitten, da die Straße aber sehr gut geräumt war, machte der Schlitten einen Höllenlärm. Lemmy wurde deutlich nervöser, die Frau ging weiter. Ich redete auf Lemmy ein und versuchte seine Konzentration auf mich zu lenken und somit von dem Schlitten abzulenken. Als der Mann sich dann näherte fing Lemmy an zu bellen. Die Frau erschrak wahnsinnig. Mir war das total unverständlich, schließlich war klar, dass ein Hund hinter ihr war und ein Mann der Lärm machte auf uns zu kam. Sie fing dann auch sofort an mich und Lemmy lautstark zu beschimpfen. Das dieser Hund ja mordsgefährlich sei und nicht in Freiheit leben solle. Meine Versuche ihr zu erklären, dass der Hund es gar nicht auf sie abgesehen hatte, blieben erfolglos. Wir zogen von dannen.

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Als ich daheim war, ließ mich diese Situation nicht los. Wieso hat sie es nicht kommen sehen? Wenn ich diese Frau gewesen wäre und hinter mir ein Hund gelaufen wäre, wäre mir sofort durch den Kopf geschossen, dass der Hund hinter mir eventuell Angst hat und deshalb gleicht bellt oder winselt oder was auch immer macht. Wieso sollte auch der Hund keine Angst haben dürfen.

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Und da wusste ich es. Sie sah es nicht mit Hundehalteraugen. Sie sah es als Spaziergänger. Ich hätte glaube ich früher diese Situation nicht so eingeschätzt wie jetzt. Ich wäre genauso erschrocken wie sie. Sie muss sich keine Gedanken machen, ob ihr Hund davor Angst hat und wie sie ihn am besten abgeklenkt bekommt, ob dort vielleicht ein Giftköder oder irgendetwas anderes liegt, was der Hund nicht fressen darf / soll. Sie scannt nicht die Umgebung. Seit ich Hunde habe bin ich zu einem menschlichen Überwachungssystem geworden. Ich muss nicht nur auf mich achten, sondern auch auf meine zwei treuen Gefährten. Das erfordert einiges an Konzentration und Aufmerksamkeit. Viele unentdeckte Gefahren lauern, vor allem mit so einem kleinen, super neugierigen Hund wie Iggy. Wieso sollte sich ein Nichthundehalter Gedanken darüber machen, was um die nächste Ecke wartet ? Ich als Hundehalter muss das tun, dort könnte ja genauso eine Person laufen, die eventuell Angst vor Hunden hat und ich muss schnell auf solche Situationen reagieren.

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Als mir das bewusst wurde, hätte ich mich gerne nochmals mit der Frau zusammen gesetzt. Ich hätte ihr meine Sichtweise und meine, beziehungsweise Lemmys, Problematik erklärt. Erklärt, dass er einfach wahnsinnige Angst hat und deshalb bellt. Er will sich groß machen. Schließlich wird Lemmy’s Angst vor Fremden bestimmt nicht besser, wenn er von genau diesen angeschrien wird. Zu gerne hätte ich ihr gesagt, wie ich als Hundehalter so einen Spaziergang sehe und wie anstrengend manchmal so ein Spaziergang sein kann. Gerade mit einem ängstlichen Hund, ist ein Abendspaziergang oftmals ein Hindernisslauf.

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Seit ich Hundehalter bin, habe ich gefühlt 2 Augen mehr. Dieses Augenpaar ist für alle Gefahren, aber auch für die Schönheiten da, die die Welt uns so bietet. Mir wäre nie bei einem Spaziergang diese Spur aufgefallen oder diese Blume. Jetzt schnüffeln Lemmy und Iggy und zeigen mir viele neue Dinge.

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Dinge die ich davor nie gesehen hatte, einfach weil sie nicht auf meinem Schirm waren. Jetzt sind sie es und darüber bin ich froh. Durch Lemmy und Iggy habe ich eine neue Sicht auf die Dinge bekommen. Diese Sicht genieße ich jeden Tag, auch wenn sie einem manchmal die unschönen Dinge zeigt, wie Glasscherben oder andere Gefahren. Durch meine Hunde bin ich wacher geworden, ich gehe mit mehr Aufmerksamkeit durch die Welt und erkunde sie zusammen mit meinen Fellnasen.

Hat dein Hund / haben deine Hunde, auch deine Sicht geändert ? Ich würde mich freuen, von Dir zu hören.

 

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