Gedanken
Kommentare 7

„Der knurrt aber süß“

Hundeblog Canistecture Der knurrt aber süß

Kennt ihr den „ich-will-nur-mal-kraulen-Passant“?

Da schmilzt sie dahin.

Während ich einen sehr dramatisch knurrenden Hund versuche zu beruhigen, geht sie in die Knie und möchte Kontakt aufnehmen. „Na, na, na,“ säuselt sie.

Ich drehe mich so, dass ich zwischen ihr und Iggy bin. Noch immer versuche ich die Aufmerksamkeit von Iggy, weg von der Frau, auf mich zu lenken. Da ist ihr Blick, ich möchte gerade schon schnalzen, dass ist unser „fein“ Laut, da redet die Dame schon wieder weiter und nähert sich uns noch mehr.

„Na bist du ein süßer Knopf, versuchst du mit mir zu sprechen?“

Hund im Wasser

Dringt es von links an mein Ohr. Ich verdrehe die Augen und wäge ab, ob ich mich immer noch auf Iggy konzentrieren oder doch mich endlich mit der aufdringlichen Dame beschäftigen soll.

Die Wut siegt. Ich „packe“ Iggy also hinter mich, eigentlich schiebe ich mich eher vor sie, und drehe mich zu der Dame um. Sie sitzt ca. 30 Zentimeter von mir entfernt und schaut etwas entrüstet.

„Ach packen Sie den Hund doch nicht so an, ich will doch nur hallo sagen.“

„Verstehen Sie es nicht oder wollen Sie es nicht verstehen. Erstens möchte ich gar nicht, dass Sie meinen Hund berühren und noch viel wichtiger ist, dass mein Hund gar keinen Kontakt möchte. Er knurrt nicht um Sie herzlich willkommen zu heißen, sondern um ihnen mitzuteilen, dass sie mehr Raum möchte. Könnten Sie das jetzt bitte endlich akzeptieren.“

Stille.

Verständnislosigkeit.

Plötzlich auflodernde Wut in den Augen der Dame.

Zwei Hunde kommunizieren

„Ich bin mit Hunden aufgewachsen, ich weiß sehr wohl, wann Hunde Kontakt mit mir wollen.“ Hat sie das jetzt gerade ernsthaft gesagt. So sehr ich meine Augen verdrehen will, wenn ich die jetzt weiter verdrehe, könnten sie mir vielleicht aus dem Kopf fallen.

Spätestens bei diesem oder einem ähnlichen Satz bin ich sehr geneigt dazu meinen Hund zu der Dame (in diesem Fall/ in ähnlichen Fällen, dann eben zu der jeweiligen Person) zu lassen und dann genüsslich die Situation zu betrachten. Denn bei Iggy weiß ich, dass sie nie etwas „tun“ würde, außer bellen, aber mir geht es (hauptsächlich) gar nicht darum, meine Umgebung vor Iggy zu schützen, sondern Iggy vor der Umgebung.

Und nein, jetzt keinen Aufschrei an der Stelle.

Ich packe Iggy nicht in Watte. Aber wenn man eine gewisse Zeit mit einem Lebewesen (egal ob Mensch oder Tier) zusammen gelebt hat, dann kennt man es und kann abschätzen, was es mag oder nicht. Und bei Hunden ist es nun einfach dann halt unsere Aufgabe, als Hundehalter, sie in Situationen zu „retten“, zu unterstützen oder wenn es möglich ist, diese Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen.

So hat Iggy absolut kein Problem, wenn ein Mensch normal an uns vorbei läuft. Sie hat allerdings ein Problem damit, wenn der Mensch Kontakt zu ihr sucht ohne, dass sie diesen Kontakt von sich aus angeboten hat. Und daher versuch ich genau solche Situationen zu vermeiden, in dem ich zum Beispiel den Gehsteig wechsle, wenn uns eine Person entgegenkommt. Das mache ich aber nicht nur meinen Hunden zu liebe, sondern auch aus Rücksicht auf die Umgebung, denn kein Mensch hat auf der Stirn stehen, ob er Hunde super duper findet oder vielleicht panische Angst vor Hunden hat.

Hundeblog Canistecture Hund im Sonnenuntergang

Aber genau diese Rücksicht, die ich meiner Umgebung entgegenbringe und dabei vor allem den Abstand, den würde ich mir manchmal auch wünschen.

Hinzu kommt natürlich noch Lemmy. Lemmy würde eine unbekannte Person nie so nah an sich herankommen lassen und bei ihm würde ich auch nicht die Hand ins Feuer legen. So kann es bei Lemmy durchaus vorkommen, dass wenn ihn jemand bedrängen würde, er nach vorne gehen würde. Dabei würde er nicht beißen, aber er würde mit offenem Maul schnappen.

Da mögen jetzt manche sagen, „das geht nicht„. 

Ich sage, wenn ihn jemand so bedrängt, dann darf er knurren und bellen und dann greife ich ein. Beziehungsweise ich greife schon davor ein, aber es ist ok, wenn er kommuniziert, dass er das gerade höchstgradig beschissen findet.

Und ich möchte hiermit jetzt keinesfalls sagen, dass es „cool“ ist, wenn ein Hund einen Menschen verletzt. Aber ich möchte damit vermitteln, dass ein Hund ein Tier ist und keine Maschine. So kann ich meine Hunde zu 99% (ich würde nie sagen zu 100% – weil eben Tiere) einschätzen und Situationen bereinigen, bevor diese „schlimm“ werden.

Aber jemand Fremdes kann das eben nicht. Und genau deshalb ist es so gefährlich, dass in vielen Augen JEDER Hund der liebe Nachbarshund aus der Kindheit ist, der doch so gerne mit einem gespielt hat.

Hundeblog Canistecture Hund auf straße

Ich bin mir meiner Hunde sehr bewusst. Gerade über Lemmy und sein Verhalten, daher geht er zum Beispiel an Feiertagen im Sommer, wenn man mit viel „Verkehr“ auf dem Fußgängerweg rechnen muss, eben mit Maulkorb raus. Aber gar nicht so sehr um jemanden anders vor ihm zu schützen, sondern eher um die Distanz anderen „aufzuzwängen“. Denn lustigerweise haben Menschen vor Hunden mit Maulkorb viel mehr Angst, als vor Hunden ohne Maulkorb, obwohl das ja total paradox ist, da von einem Hund mit Maulkorb rein theoretisch viel weniger Gefahr ausgehen kann.

Aber so verschaffen wir uns dann eben den Platz, den Lemmy braucht. Das muss auch gar nicht viel sein. Er kommt sehr gut damit zurecht, wenn jemand auf dem Fußgängerweg läuft und wir dann kurz auf die Straße ausweichen und er auf der von der Person abgewandten Seite neben mir laufen kann. 

Das Problem sind dann nur wieder Menschen, die meinen so eine Situation kommentieren zu müssen, als wären sie ein*e Quizshowmoderator*in. Denn genau in solchen Situationen brauche ich und die Hunde keinen Kommentar. In solchen Momenten würde ich mir einen Unsichtbarkeitsumhang wünschen, der mich und die Hunde super duper schnell verschwinden lässt. 

Hunde, die knurren sind also nicht süß. Und zwar egal wie groß oder wie klein dieser Hund ist. Das sollten sich aber nicht nur Außenstehende auf die Nase schreiben, sondern auch oftmals Halter von kleinen Hunden. Viel zu häufig sehe ich, dass bei kleinen Hunden anders reagiert und agiert wird als bei großen Hunden. Schließlich sind die ja nicht so „angsteinflößend“. Aber es sind Hunde und so sollte man Dackel Fiete genauso ernst nehmen wie Dobermann Paule.

Hundeblog Canistecture Hund in Wiese

Wichtig ist doch vor allem, dass den Menschen klar wird, dass man nicht ungefragt zu fremden Hunden hingeht und auch wenn man den Hund kennt, sollte man die Situation vorher abchecken und niemals einen Hund einfach so anpacken. Das mag oftmals gut gehen, doch wenn ein Hund dann schnappt oder gar beißt, ist die darauffolgende Situation nicht nur für den Gebissenen schrecklich, sondern auch für den Hund. Denn die wenigsten Hunde beißen, weil sie es wollen und „lustig“ finden, sondern weil sie sich dazu provoziert fühlen oder in dem Moment keinen anderen Ausweg kennen. Und genau da, müssen wir als Halter wieder eingreifen. Beziehungsweise davor. Wir sind die Barriere, wir stellen uns dazwischen und wir „wehren“ Passanten ab, die nur mal kuscheln wollen. Denn genauso, wie es die „der will nur mal spielen“-Hunde gibt, so gibt es die „ich will nur mal kraulen“-Menschen und die sind genauso nervig.

Verteile ein bisschen Liebe
Kategorie: Gedanken

von

Ich bin ein kreativer Chaot, liebe das Schreiben, aber noch mehr die gemeinsame Zeit mit meinen Hunden. Da meine beiden Hunden alles andere als leicht sind - jeder auf seine ganz persönliche Art - wollte ich mit Canistecture einen Ort schaffen an dem ich alle Seiten des Hundehalterlebens zeige. Die Schönen, genauso wie die weniger schönen. Genau diesen Ort habe ich mit Canistecture geschaffen.

7 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.