Erlebnisse auf Feldwegen

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Ist gegenseitige Rücksicht so schwer?

Du läufst ohne Stress und die Hunde springe – ob an der Schleppleine oder nicht, das ist egal. Du bewegst dich frei, die Hunde schnüffel, spielen, schauen, inspizieren – sie leben. Und wenn du zwei Hunde wie ich hast, dann versuchst du um andere Hund einen Bogen zu gehen, versuchst keine anderen Menschen einzuschränken, versuchst dich an die Regeln zu halten – denn so gehört es sich schließlich. Dazu gehört, dass Hunde nicht auf Feldern spielen, so handhabe ich das zumindest und so habe ich es heute auch versucht zu handhaben.
Ich laufe also auf dem Feldweg und sehe einen Radfahrer auf uns zu kommen. Weil auf dem rechten Feld schon Dinge wachsen, beschließe ich auf die Wiese auszuweichen, die links von uns liegt.
Ich stelle mich keinesfalls mitten auf die Wiese, aber ich versuche so weit wie möglich und so weit wie nötig auf die Wiese auszuweichen, denn ich will, dass er ohne Probleme passieren kann und ich danach ohne Probleme weiter laufen kann. Anstatt das der Fahrradfahrer einfach weiterfährt, kommt er auf uns zu. Als er immer näher kommt bitte ich ihn doch stehen zu bleiben beziehungsweise uns nicht noch näher zu kommen und wundere mich schon, was er denn jetzt von mir möchte. Er ignoriert mich und kommt weiter auf uns zu. Lemmy wird nervös und Iggy versucht sich hinter mir zu verstecken.

rücksichtsvolles Verhalten

Ich bitte ihn also nochmals stehen zu bleiben und uns nicht näher zu kommen. Als er circa 10 Meter von uns entfernt ist – lassen wir es eher 5 Meter sein – fängt er an, wild gestikulierend mich anzuschreien, ich solle mich doch mit meinen Kötern von seiner Wiese verpissen. Ich leicht schockiert, weil ich als er gekommen ist ja gar nicht auf der Wiese stand, sondern nur wegen ihm darauf ausgewichen bin, damit er problemlos an uns vorbeikommt, versuche ihm das zu erklären und ich weiß auch genau, dass mit dieser Wiese nichts passiert. Es ist keine Futterwiese, hier wird nichts angebaut, sie liegt einfach nur brach und auf ihr steht eine heruntergekommene Hütte – die eher nur noch aus ein paar Brettern besteht. Ich lasse die Hunde auf dieser Wiese weder buddeln noch hinkacken, ich wollte einfach nur, dass er ohne Probleme oder Angst an uns vorbei fahren kann. Er kommt noch weiter auf uns zu und ich bitte ihn nochmals stehen zu bleiben und versuche ihm im gleichen Atemzug sehr freundlich zu erklären, dass meine Hunde keine Fremden mögen. Mit diesem Satz löse ich einen erneuten Schreianfall des Landwirts aus. Ich versuche ihm also nochmals zu erklären, wieso ich gerade 2 Meter weit auf seiner Wiese stehe. Nun „erklärt“ – und erklärt ist hierbei sehr nett umschrieben, denn es ist eher ein wildes Brüllen mit dem er einigen Pavianen wirkliche Konkurrenz machen könnte – er mir, dass ich mich sofort zu verpissen habe und wenn ich das nicht tun würde, würde ich schon sehen, was ich davon hätte. Weiterhin sehr verdattert und langsam auch schockiert, versuche ich, immer noch ruhig um mir meine aufsteigende Wut nicht anmerken zu lassen, nochmals ihm zu vermitteln, dass ich ja keinesfalls just for fun hier seiner Wiese stehe. Mit netten Worten versuche ich ihm zu vermitteln, dass diese ganze Situation ziemlich schnell geklärt wäre, wenn er einfach vorbei gefahren wäre oder gar nicht hier her kommen wäre – langsam kommt mir nämlich der Verdacht er musste hier gar nicht hin, sondern hat unser aufeinandertreffen absichtlich herbeigeführt. Darauf wirft er mir entgegen, dass er mich schon öfter gesehen hat und meine Hunde ja immer an der Leine seien. Was das jetzt für eine Rolle spielt erschließt sich für mich weder in dem Moment, noch später oder jetzt, wenn ich das hier schreibe. Mit sehr viel imponiergehabe erklärt er mir anschließend, dass das hier ja alles ihm gehöre. Als würde mich das auch nur im Ansatz interessieren, denn schließlich möchte ich nicht seine Wiese kaufen oder ihm irgendwas kaputt machen, sondern einfach nur in Ruhe Gassi gehen und das am liebsten auf den Feldwegen und nicht auf einer Wiese, wie jetzt gerade.

Hinweis
Für Feldwege gilt meist (außer sie sind als Privatwege ausgeschildert) der Gemeingebrauch, sprich jeder darf sich drauf bewegen, man darf eben keine Felder kaputt machen. Spezielle Regelungen gibt es für das Befahren, aber das interessiert ja in vorliegendem und geschildertem Fall nicht.

Immer noch wild gestikulierend beschuldigt er mich, dass ich ja meine Hunde IMMER auf seinen Feldern spielen lassen würde und alles kaputt machen würde. Höflich versuche ich ihm zu vermitteln, dass ich nicht genau weiß, von welchen Hunden er spricht, dass es meine aber nicht sein können, da ich sie allein schon aus dem Grund nicht auf die Felder lasse, da diese bei uns gespritzt werden und ich sicher nicht möchte, dass meine Hunde da mehr als nötig (in eben solchen Ausweichfällen) damit in Berührung kommen. Ich versuche auch ihm Verständnis entgegen zu bringen und ihm zu zeigen, dass ich genau weiß, dass Landwirte (in den meisten Fällen) keine Hunde auf ihren Wiesen möchte – was ja auch ihr gutes Recht ist – und ich das natürlich respektiere. Mir aber in diesem Fall nichts anders übrig blieb, denn schließlich kam er auf mich zu und der Feldweg ist höchstens einen Meter breit, somit zu eng, damit problemlos ein Fahrradfahrer an zwei Hunden vorbeifahren kann, die sehr auf ihre Individualdistanz achten.


Nachdem er immer noch auf mich zu kommt, mittlerweile bin ich immer weiter von ihm abgerückt und zwar nicht nur, weil Lemmy und Iggy nicht auf Fremde stehen, sondern weil ich auch nicht darauf stehe zu nah an einem wild brüllenden Mann zu sein, werde ich auch lauter in der Stimme und sage laut „Stopp, ich und meine Hunde möchten Sie nicht näher bei uns haben!“. Was dann kommt entsetzt mich und zeigt mir was dieser Mensch für ein Bild von Tieren – insbesondere von Hunden hat. Er erklärt mir nämlich, dass Hunde nämlich alles zu akzeptieren haben, was ein Mensch tut und das er gefälligst auch zu mir ran kommen darf, dass Hunde nicht zu bellen haben, sondern einfach nur still sein müssen.
Langsam werde ich dann doch sauer, denn eigentlich bin ich solche Diskussionen echt leid. Ich möchte niemanden auf den Nerv gehen und ich möchte nicht, dass man mich belästigt. Es ist meist anstrengend genug mit zwei solchen speziellen Hunden Gassi zu gehen, da brauch ich nicht auch noch solche unnötigen Auseinandersetzungen. Es ist anstrengend, weil ich wie ein Luchs aufpassen muss und meist weite Umwege gehen muss, nur weil es anscheinend in Mode kommen ist, nicht mehr auf andere Rücksicht zu nehmen, sondern nur noch Rücksicht und Gehorsam einzufordern.
Ich merke, dass dieses Gespräch keinen Sinn mehr hat, drehe mich um und laufe weg. Anstatt, dass er mich nun einfach weiter gehen lässt, schimpft er mir weiter hinterher. Was er damit bezwecken will, dass lassen wir mal in den Sternen stehen, denn das erschließt sich mir wirklich nicht.

Fragen über Fragen

Ich frag mich nur, warum kann man nicht leben und leben lassen. Warum muss man immer Rücksicht fordern und ist selber nie rücksichtsvoll? Warum versucht man anderen Menschen, anderen Tieren, anderen Lebewesen immer den eigenen Standpunkt aufzudrücken. Warum kann es nicht zwei, drei, vier oder noch mehr Standpunkte geben? Warum kann man nicht aktzeptieren, dass es eben Hunde gibt, mit denen man ausweichen muss? Warum kann man nicht akzeptieren, dass es Hunde gibt, die keine anderen Hunde an ihrem Hintern kleben haben wollen? Warum kann man es nicht hinnehmen, dass andere Hunde nicht auf Sozialkontakt mit dem anderen Hund aus sind – warum sind Sätze wie „Meiner tut aber nichts.“ und „Der will nur spielen.“ nötig? Und vor allem warum kann man nicht normal über Dinge reden.


Es wäre keinesfalls für mich ein Problem gewesen, wenn dieser Mensch auf uns zu gekommen wäre – warum auch immer – mich angesprochen hätte und gesagt hätte ich solle doch bitte seine Wiese verlassen und ich ihm dann – in einem normalen Gespräch – hätte erklären können, wieso ich denn genau jetzt gerade ausgewichen bin. Denn wäre er nicht gekommen, würde ich ja jetzt auch keinesfalls auf seiner Wiese stehen.

Ich wohne total auf dem Land. Hier gibt es viele Bauern und mit vielen habe ich schon gute Gespräche über Hunde und Hundehalter gehabt. Mit vielen habe ich auch schon über die Problematik mit einigen Hundehaltern gesprochen. Das einige eben ihre Hunde überall hinmachen lassen und es dann nicht mal aufräumen. Das einige ihre Hunde über jedes Feld, egal, ob bewirtschaftet oder nicht rasen lassen. Das eben auch einige Hundehalter keine Rücksicht nehmen.

Gesetzeslage in Bayern
Auszug aus Naturschutzgesetz BayNatSchG
Art. 13 Betreten des Waldes
(2) Die Ausübung dieses Rechts wird nach Maßgabe der Vorschriften des V. Abschnittes des bayerischen Naturschutzgesetzes (BayNatSchG) gewährleistet.

Art. 23 Benutzung von Wegen; Markierungen
(1) Jedermann darf auf Privatwegen in der freien Natur wandern und, soweit sich die Wege dafür eignen, reiten und mit Fahrzeugen ohne Motorkraft sowie Krankenfahrstühlen fahren. Dem Fußgänger gebührt der Vorrang.

Wenn ich jetzt also einen Hund habe, der nicht auf dem Weg bleibt, dann habe ich dafür Sorge zu tragen, dass er das tut. Und wenn ich einen Hund habe, der andere belästigt, egal, ob andere Hunde oder Menschen, dann muss ich auch hier dafür Sorgen, dass er das eben nicht tut. Genau deswegen weiche ich zum Beispiel aus – damit sich andere eben nicht belästigt fühlen. Denn wenn meine Hunde bellen, dann zeigen sie damit „He, du bist zu Nahe.“. Da ich natürlich nicht möchte, dass andere wegen mir auf Felder ausweichen müssen, wenn sie es nicht müssen – zum Beispiel, weil sie selber so einen Knallkopf von Hund haben – gehe ich ein paar Meter auf ein unbewirtschaftetes Feld und lasse die Personen oder die Autos passieren.


Mit dem Bellen, wollen die Hunde ja keinesfalls stören, sondern sich eben mitteilen, denn reden, das können unsere Hunde nun mal nicht und müssen sich daher eben anders mitteilen. Bellen ist Kommunikation – wie ich auch hier schon mal geschrieben habe. Doch trotzdem, auch wenn ich das Bellen nicht als störend empfinde, möchte ich ja trotzdem den Stress für meine Hunde und die Umwelt so gering wie möglich halten und weiche daher vorausschauend aus. Und ich glaube vielen Hundehaltern mit speziellen Hunden geht es ähnlich. Man versucht aus dem Weg zu gehen. Man versucht anderen Hunden, Joggern, Radfahrern, Autos aus dem Weg zu gehen – je nachdem auf was der eigene Hund speziell reagiert. Doch leider ist das in den meisten Fällen gar nicht so leicht, denn wenn der andere Mensch, diese Rücksichtnahme nicht erkennt oder nicht akzeptiert, dann hat man ein Problem. Wenn also der andere Hundehalter es zum Beispiel nicht einsieht, seinen Hund zu sich zu nehmen und eventuell anzuleinen, dann stößt man auf ein Problem. Denn alle Rücksichtnahme nützt nichts, wenn das Gegenüber es bombardiert.

Warum können einige diese Distanz nicht akzeptieren?

Ich frage mich manchmal wirklich, ob meine Einstellung zum Thema Rücksicht blauäugig ist. Ist es in unserer Gesellschaft einfach nicht mehr „in“ rücksichtsvoll zu sein?

One Reply to “Erlebnisse auf Feldwegen”

  1. Ja das mit der Rücksichtsnahme ist so eine Sache..
    Und Hunde müssen ja IMMER perfekt sein. Solche Menschen versteh ich nicht..
    Wenn ich auf andere achte möcht ich auch dass die auf mich achten..
    Aber das ist wohl eine Wunschvorstellung!

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