Gedanken, Leben mit Hund
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Müssen unsere Hunde perfekt sein ?

In unserer heutigen Welt geht es immer öfter darum sich zu profilieren und einfach zu zeigen wie perfekt man ist. Dieser Wunsch nach Perfektion endet natürlich nicht bei uns selbst, nein wir übertragen ihn auch auf unsere Hunde.

Aber willst Du wirklich einen perfekten Hund ?

Ich muss sagen ich habe gern mal einen Pickel im Gesicht und wenn ich feststelle, dass bei mir Zuhause keine Schokolade mehr ist, dann kann ich zur Zicke mutieren. Hinzukommt, dass ich mega, also wirklich mega nicht nur so ein kleines bisschen, schusselig bin. Klingt nicht wirklich perfekt, oder ?

Wieso sollte ich also Perfektion von meinem Hund verlangen ?

Ich bin schon mit „unperfekten“ Hunden aufgewachsen. Mein Papa hatte schon einen Hund, als er 2 Jahre vor meiner Geburt eine weiße Hündin aus dem Keller eines Alkoholabhängigen rettete. Diese Hündin hatte so viele Knackse und trotzdem liebte mein Papa sie. Als ich auf die Welt kam, war für meinen Papa klar, dass die Hunde genauso zur Familie gehören wie ich, also auch vollen Umgang mit mir haben dürfen. Viele Bekannte und Verwandte hielten ihn für diese Entscheidung für absolut verrückt, schließlich war die Hündin fremden Menschen gegenüber nicht gerade freundlich. Mein Vater ließ sich nicht verunsichern und deshalb hatte ich eine tolle Kindheit mit zwei Hunden, die mich über alles liebten und das ein oder andere mal beschützten. Als ich dann 10 war, zog eine Bernersennenhündin bei uns ein. Natürlich hatte auch sie einen Knacks, aber das passt zu uns und so musste ich auch lernen, das ein Hund nach einem schnappt, wenn man ihm ausversehen weh tut. Für meinen Papa war klar, dass ich so etwas auch lernen müsste.

Iggy_wasser

Mein Weg war klar

So ist es nicht verwunderlich, dass für mich und für meinen Freund nur ein Hund aus dem Tierheim oder Tierschutz in Frage kam. Gerade Lemmy mit seinen unendlichen Macken passt einfach zu uns. Auch Iggy ist nicht der kleine Unschuldsengel für den sie viele halten. Sie bellt, wenn Fremde ihr zu nahe kommen, sie mag fremde Hunde erstmal nicht zu nah an sich und vieles mehr. Du siehst meine Hunde sind nicht perfekt, aber das ist auch gar nicht meine Absicht. Ich möchte, dass meine Hunde sich wohlfühlen und es ihnen einfach gut geht.

Lemmy_Iggy_schnee_wasser

Andere geben einem Mut

Als ich in die Stadt gezogen bin, haben viele Leute behauptet, dass Lemmy und ich asozial wären, denn Lemmy wollte keine fremden Hunde bestimmter Rassen in seiner Nähe und das hat er auch sehr deutlich gezeigt. Wenn uns diese Hunde zu nah kamen, verbellte und verknurrte er sie. Ich versuchte also ihm das abzugewöhnen, schließlich wollte ich nicht, dass andere so über uns denken. Irgenwann traf ich dann Nima (die lustigerweise auch in der Bloggerszene unterwegs ist). Sie war eine der wenigen, die nicht einen großen Bogen um uns ging, sondern ihre zwei Mädels mit meinen zwei spielen lies. Als sie mal eine solche „Aggression“ von Lemmy sah, fragte sie mich, wieso ich das denn unterdrücken will, schließlich ist es doch gut, wenn Hunde zeigen, wenn ihnen etwas nicht passt. Das ist auf jeden Fall tausend Mal besser, als wenn sie einfach so, ohne Vorwarnung los gehen.

Iggy_nase

Von da an wurde alles anders

Wie recht sie doch hatte. Von da an, war mir egal was andere von mir dachten. Sollen sie doch denken Lemmy sei der schlimmste Hund auf Erden. Seit diesem Moment kann ich endlich nur auf mich und meine Hunde achten. Dann soll Lemmy doch bellen und mir zeigen, dass ihm die Situation unangenehm ist. Dann muss ich halt so lang wie es nötig ist mit Schleppleinen durch die Prärie ziehen. Dann muss Lemmy halt in der Nacht einen Maulkorb aufziehen. Das was zählt ist, ich kann mit Lemmy endlich arbeiten und zwar nicht daran, dass er die anderen Hunde nicht mehr doof findet, sondern das er sie duldet und mit Iggy kann ich üben, dass sie Fremde nur dulden soll und sich nicht sonderlich freuen muss. Lemmy_perfektIch bin nämlich zu dem Entschluss gekommen, dass meine Hunde nicht perfekt sein müssen, sondern sich nur so wohl wie mir irgendwie möglich ist fühlen sollen.

Ich möchte an dieser Stelle ein großes Dankeschön an meinen Papa richten, der mir gezeigt hat, dass Hunde zur Familie gehören und das auch Hunde Fehler machen dürfen.

Mein zweites Dankeschön geht an Nima, die mir den Mut und die Anregung gegeben hat. Danke für deine lieben Worte. Ich vermisse das gemeinsame Gassi gehen :-) 

Mein drittes Dankeschön geht an meinen Freund, der schon vieles mit Lemmy, Iggy und mir durchgemacht hat und nie das Vertrauen in Lemmy verloren hat. Danke dafür <3

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Kategorie: Gedanken, Leben mit Hund

von

Ich bin ein kreativer Chaot, liebe das Schreiben, aber noch mehr die gemeinsame Zeit mit meinen Hunden. Da meine beiden Hunden alles andere als leicht sind - jeder auf seine ganz persönliche Art - wollte ich mit Canistecture einen Ort schaffen an dem ich alle Seiten des Hundehalterlebens zeige. Die Schönen, genauso wie die weniger schönen. Genau diesen Ort habe ich mit Canistecture geschaffen.

31 Kommentare

  1. Wir sind auch nicht perfekt – aber genau richtig ! :)
    Wir sind ein tolles Team und jeder kennt seine Schwächen und Stärken des anderen :).
    Und nur so fühlen wir uns wohl! Wer will schon 100 % Perfekt sein ?

    Toller Beitrag.
    Lg, Carola mit Deco + Pippa

  2. Oh, jetzt bin ich total gerührt, liebe Anna – Danke :-)
    Ihr wart mir von Anfang an sympathisch und seid ein tolles Team!!!
    Lemmy und Iggy hätten keine besseren Menschen finden können :-)
    Und bevor wir wegziehen, schaffen wir es vielleicht tatsächlich noch mal auf eine gemeinsame Runde…

    Liebe Grüße
    Nima, Luna & Jule

  3. Axel sagt

    Hey Anna!

    Ja, ich schreie es jetzt in die Welt hinaus: Unser Hund hat ne Klatsche! ;-)

    Aber vielleicht ist es genau das, was ihn für uns so liebenswert macht. Wer weiß?

    In der Welpengruppe erntete ich böse Blicke von einigen „Hundemamas“, weil ich nicht am „Wettrüsten“ teilgenommen habe. Die haben sich da gegenseitig hochgeschaukelt und geprahlt, was ihre durchgestylten Hochleistungsvierbeiner alles schon können.

    „Meiner ist einfach nur ein Hund“, habe ich ihnen dann achselzuckend erklärt. Kam nicht gut an.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß mit deinen „Freaks“! :-)

    Beste Grüße
    Axel

  4. Mieke sagt

    Hi Anna,
    ich stimme Dir hundertprozentig zu!

    Ich habe zwar nie einen super problematischen Hund gehabt, aber Pebbles hat mich das gleiche gelehrt, wie Iggy und Lemmy dich.

    Schade nur, dass andere Hundehalter und Nicht-Hundehalter meist kein Verständnis dafür haben.

    Da hilft leider nur die Teflon-Jacke überziehen und durch.

    Ich finde es im Übrigen auch besser, wenn Hund kommunizieren dürfen, was sie nicht wollen. Wenn der andere Hund das dann nicht schnallt, dann hat dessen Hundehalter eventuell was falsch gemacht und nicht Du.

    Liebe Grüße
    Mieke

    • Canistecture sagt

      Oh ja die Teflon Jacke brauche ich des öfteren :-)
      Und danke für deine Zustimmung :-)

      Liebe Grüße
      Anna

  5. Was den heutigen Perfektionismus – leider in allen Bereichen – betrifft, so stimme ich dir voll und ganz zu, muss aber zu meiner Schande sagen, dass ich auch immer so ein kleiner Pefektionist sein möchte, wobei ich aber auch schon viel gechillter geworden bin. ;)

    Ich finde aber das Perfektionismus nicht mit mangelnder Erziehung verwechselt werden darf. Da mit meine ich, kein Hund muss perfekt sein, aber er sollte dennoch ein gewisses Maß an Erziehung haben. Damit spreche ich jetzt nicht dich an – also nicht falsch verstehen! Aber ich treffe leider immer wieder auf Hunde mit ihren Haltern, die frei laufen. Der Halter ist nicht in der Lage seinen Hund abzurufen, was er gefälligst zu tun hat, wenn mein Hund an der Leine ist. Diese Hunde sind auch nicht perfekt, aber eben auch nicht gut genug erzogen zum freilaufen.

    • Canistecture sagt

      Da stimme ich dir zu Claudia. Das meinte ich auch nicht mit nicht perfekt, sondern das man einfach seinen Hund so akzeptieren soll wie er ist. Sprich wenn er zum Beispiel andere Hunde doof findet oder so. Dann nicht zwanghaft versuchen, dass er sie doch toll findet.

  6. Liebe Anna, Dein Artikel ist wunderbar. Er zeigt so viele liebevolle Seiten des „Nichperfektseins“.
    Ich übe gerade mein Perfektionismus abzulegen….mein Grizzly ist nicht perfekt. Warum auch ? Und so lerne ich von meinem Hund. Ich finde das toll.
    Wuffige Grüsse
    Rosemarie

  7. So eine tolle Geschichte, danke, dass du das mit uns geteilt hast! Das macht Mut! Und du hast so Recht, lieber unperfekt glücklich als perfekt und unglücklich.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    • Canistecture sagt

      Das ist wirklich schön gesagt

      Lieber unperfekt glücklich als perfekt unglücklich <3

  8. Anke sagt

    Hallo liebe Anna,

    was für ein schöner Artikel!! Und deinen „Papa“ hab ich gleich mit liebgewonnen. Definitiv hast du einen richtig tollen Dad!! Und was den Perfektionismus betrifft, stimme ich dir voll zu. Ich finde es sogar fast noch schlimmer als du, was heute so alles von Hunden erwartet wird. Meine Hunde müssen auch nicht perfekt sein. Ich achte auf meine Umgebung, verhalte mich vorausschauend, so dass ich meine Hunde anleinen kann, wenn wir jegliche Begegnungen haben. Das mache ich einfach aus Rücksicht auf andere. Aber aufs Wort hören, nee müssen sie nicht. Wenn z.B. der Leo grad an einer spannenden Stelle schnüffelt (da könnte eine Maus sein :-D ), ich ihn rufe und er nicht kommt, gehe ich hin zu ihm und lein ihn halt an. Das Ergebnis ist ja dann das gleiche. Wenn Mensch vor dem Fernseher sitzt und an der spannensten Stelle vom Krimi plötzlich in die Küche kommen soll … würde doch auch keiner machen. Jeder hat so seine Macken, jeder Mensch, also dürfen Hunde das wohl auch. Und wie langweilig wäre eine perfekte Welt … Nur eine Einschränkung hab ich. Wenn etwas wirklich wichtig ist (z.B. weil es sonst gefährlich wird) dann müssen sie schon gehorchen und dann setze ich auch durch, was muss. Und wo die Macken an ihre Grenzen geraten, da pass ich halt auf. Lucy ist ja auch eine Zicke, die gerne schon mal pöbelt. Hat sie von Anfang an gemacht. Wie gesagt, da pass ich halt auf und lasse sie nicht einfach zu jedem fremden Hund.

    Du bist ein lieber Mensch, das scheint so richtig durch in diesem Artikel …

    Liebe Grüße
    Anke, Lucy und Leo

    • Canistecture sagt

      Danke für diese lieben Worte Anke <3
      Und mein Papa ist ein wirklich toller Mensch. Er ist es auch durch den ich eine solche tiefe Verbindung zu Hunden habe, denn er hat mich gelernt sie zu verstehen.

  9. Deinen Beitrag kann ich nur unterstreichen!
    Ein Hund ist schließlich ein Lebewesen mit einem eigenen Charakter, mit Vorlieben und Abneigungen und oft ja auch mit einer Vorgeschichte, die ihn ins Tierheim gebracht hat. Wer „Perfektion“ erwartet, möge sich einen Roboter zulegen…

    Meine Nala ist eine ehemalige Kettenhündin und hat den ein oder anderen Knacks, ja. Sie mag es zum Beispiel nicht, wenn andere Hunde ihr zu nahe kommen und sie nicht weggehen kann, weil sie angeleint ist. Finde ich vollkommen nachvollziehbar. Das heißt für mich: wenn wir irgendwo unterwegs sind, wo ich Nala wegen Verkehr o.Ä. nicht ohne Leine laufen lassen will, weise ich andere Hundebesitzer darauf hin, dass sie an der Leine zickig ist, und sie bitte ihre Hunde bei sich zu behalten. Was ohnehin eigentlich selbstverständlich sein müsste, finde ich… seinen Hund nicht einfach zu fremden Hunden rennen zu lassen, wenn man sich nicht vorher kurz verständigt hat ob das okay ist. Aber das ist ein anderes Thema. ;)

    Mein Hund hat ein paar Macken und die darf er auch haben, hab ich ja schließlich auch. Und mit dem Vierbeiner konstant zu trainieren, damit er bspw. in mehr Situationen gelassen bleiben kann, hat für mich nichts mit dem Wunsch nach einem perfekten Hund zu tun.

    • Canistecture sagt

      Oh eine ehemalige Kettenhündin, da hast bestimmt auch einiges an Training hinter dir.
      Nein Trainieren ist toll aber diesen Perfektionismus den dabei viele an den Tag legen, der ist nicht schön.

  10. In diesem kleinen Beitrag steckt mehr Herz und Verstand als in vielen Hundeerziehungsbüchern. Liebe Anna, ich bin echt froh zu lesen, dass es doch noch Menschen gibt, die sich nicht von anderer Leute Meinung einlullen lassen! In einer ganz einfachen natürlichen Weise „faßt“ Du Themen wie Kind und Hund, Lernen und Familie an – so manch einer hat sich schon daran versucht und ist dabei in einem Trainings-, Kontroll- und Pefektionswahnsinn gelandet. Genau so einfach, wie Du diese Themen anfasst sind sie auch – eigentlich!

  11. Pingback: Links KW 13 - Canistecture

  12. Sehr schöner Post :) Wir haben auch immer Hunde gehabt und haben nun seit bald 2 Jahren einen sehr agilen Neufundländer bei uns zuhause :) Oftmals ist er vor Freude etwas stürmisch und viele begegnen ihm mit Respekt, die die sich aber auf ihn einlassen (vorallem andere Hundebesitzer) sind immer positiv überrascht. Von wegen böser, großer schwarzer Hund^^

    Liebe Grüße,
    Kiamisu

    • Canistecture sagt

      Oh Neufundländer sind eine wahnsinnig tolle Rasse und diese Vorurteile kenne ich nur zu gut, bin mit einem Berner Sennenhund aufgewachsen ^^

      Liebe Grüße
      Anna

  13. Pingback: Die ultimative Trainingsmethode • Canistecture

  14. Danke, Anna, bis auf die Tatsache, dass ich nicht gern mal Pickel habe, kann ich deine Worte nur unterschreiben. Erster Stein und so, ich habe noch nie verstanden, warum Hunde 100%ig gehorchen sollen. Menschen tun das zum Glück auch nicht.

  15. Monika + Vibi sagt

    Danke Anna. Ich kann Deine Worte nur bestätigen. Ich übe mit Vibi und Vibi mit mir, gelassen an anderen Hunden vorbei zu gehen. Sie dürfen genauso sein, wie wir, aber sie brauchen nicht unbedingt zu nah kommen, wenn wir das nicht wollen und ich mag es ganz sehr, wenn ich darüber nicht mit den anderen Hundebegleitern diskutieren muss.
    Ich mag es, wenn Menschen ihren Hunden „erlauben“, Charakter zu habe und damit glücklich zu sein. Oft müssen die Hunde die Schwächen der Menschen ausleben, die selber nicht so charaktervoll sind. Das finde ich immer wieder so schade.
    Ich habe in mühevoller Kleinarbeit erreicht, mein übertriebenes Angepasstsein nach und nach abzulegen. Ich bin damit glücklich und meine Hündin soll das selbstverständlich auch sein dürfen. ;-)

  16. Nadine sagt

    Meine Lilly mag nur wenige Hunde die sie sorgfältig aussucht. Ich sehe das nicht als Macke an. Schließlich möchte ich auch nicht zu jedem Menschen Kontakt. Und ich bin froh dass sie ihren eigenen Kopf hat.

  17. ClaudiaK sagt

    Heute zum ersten Mal hier und direkt gemerkt, hier bin ich sowas von richtig !!!!!
    Endlich Jemand der mir aus der Seele spricht, Ja Ja Ja!
    Unsere Krötenbande (3 Notis die unterschiedlicher nicht sein können) ist so herrlich perfekt unperfekt, das ich sie schon wieder für das perfekte Rudel halte. Mit Ecken, Kanten und Macken und wir stehen dazu!
    Ich freu mich hier weiter durch deinen Blog zu stöbern und mich ein bisschen Zuhause zu fühlen

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