Der Hund und das Leben im Hier und Jetzt

Der Hund und das Leben im Hier und Jetzt

Es gibt Dinge über die streitet sich die Wissenschaft.
Es gibt Dinge über die streiten sich Hundehalter.

Ein Ding davon ist die Ansicht, ob der Hund im Hier und Jetzt lebt.

Der folgende Artikel kann dir aufstoßen, dir nicht gefallen oder auch dümmlich vorkommen. Wenn das der Fall ist, bin ich jederzeit für konstruktive Kritik offen und bin vor allem gespannt, was Du über das Thema denkst.

Die erste Frage, die sich für mich stellt ist:
Leben wir Menschen im Hier und Jetzt?

Ich bin der Meinung, dass manche mehr und manche weniger in der Vergangenheit leben. Klar muss man mit der Vergangenheit irgendwann abschießen, aber sie macht einen auch zu dem Menschen der mann ist. Sie gehört dazu. Mit all den positiven, aber auch den negativen Einflüssen und Erfahrungen. Die Vergangenheit prägt uns, macht uns vielleicht für bestimmte Gefahren empfänglicher. Manchmal wird man durch Erlebnisse vorsichtiger, manchmal aber auch mutiger.

Wissen Hund über ihre Vergangenheit bescheid?

Wie ist es also bei den Hunden?
Ich habe Hunde erlebt, die aus der Hölle kamen und nur so vor Lebensenergie strotzen.
Dann habe ich aber auch wieder Hunde erlebt, die trotz, dass sie seit Jahren ein wirklich schönes Zuhause haben die Vergangenheit nicht hinter sich lassen können.

Wieso nehmen wir uns als Menschen es heraus, zu sagen, dass Hunde nur im Hier und Jetzt Leben.
Hund werden durch ihre Vergangenheit genauso geprägt wie du und ich.
Ich finde es für ein gutes Training unglaublich wichtig, dass man die Vergangenheit eines Hundes akzeptiert und ihn nicht dazu zwingt diese zu vergessen.
Das heißt jetzt nicht das du deinen Hund betüddeln sollst wie Oma Hannelore. Es heißt einfach, dass ich finde, das wir es nicht als menschliches Privileg ansehen sollten die Vergangenheit zu kennen und sich daran zu erinnern.

Wieso wollen wir dann oft so ein „leichtes“ Leben wie unsere Hunde haben?

Wie oft ging es mir schon so. Ich sitze am Laptop, bin am Schreiben. Die Deadline rückt immer näher, das Abendessen wird in die Nacht verschoben, nur damit ich ja fertig werde. Während der Zeit liegen zwei Hunde tiefen entspannt neben mir und grunzen im Schlaf vor sich hin.
In solchen Situationen denke ich mir so oft, „ich hätte gern so ein leichtes Hundeleben“. Ich glaube, durch diese Assoziation der Entspanntheit und der Sorgenfreiheit lassen sich viele dazu hinreißen zu sagen, Hunde leben nur im Hier und Jetzt.

Ich für meinen Teil sehe das anders. Klar werde ich nie sagen, Hunde leben genauso wie wir. Hunde wägen genauso ab oder Hunde planen genauso. Nein, das meine in gar nicht. Aber ich denke, dass Hunde sehr wohl, ebenso wie wir, von ihrer Vergangenheit geprägt werden können.
So gibt es zum Beispiel Hunde aus dem Ausland, die hier einfach nicht zurecht kommen. Die nicht bei einer Familie in einem warmen Haus mit Garten wohnen wollen. Die lieber wieder zurück in ihre Freiheit wollen.
Genauso gibt es aber auch Hunde, die hier bei uns, in unserer Zivilisation wirklich ankommen. Hunde, denen das Leben gefällt, wenn sie bei ihrer Familie sein können. So unterschiedliche Rassen es von Hunden gibt, genauso unterschiedliche Persönlichkeiten gibt es.
Und genau dort liegt der Knackpunkt.
Manche Hunde kommen gut mit ihrer Vergangenheit klar, vielleicht vergessen sie sogar. Hier habe ich Iggy als Beispiel. Ich denke nicht, dass sie viel von ihrer Vergangenheit noch im Kopf hat, ob das jetzt an ihrer Persönlichkeit liegt, oder daran, dass sie Hirnschäden hat, das weiß ich natürlich nicht. Iggy ist aber ein Hund, der viel im Hier und Jetzt lebt und bei dem ich nur selten merke, dass sie mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Andere Hund, können vielleicht mit ihrer Vergangenheit nicht so gut umgehen. Erlebnisse stecken zu tief drin. Abläufe sind zu fest im Hirn verankert. Hier sehe ich deutlich Lemmy. Lemmy ist ein Hund, der Geräusche schnell zu ordnen kann. Oder auch Menschen. Spezielle Situationen. All solche Dinge können für ihn super beruhigend sein, wenn er sie positiv in der Vergangenheit verknüpft hat. Umso mehr beeinträchtigen ihn aber negative Erfahrungen, die es geschafft haben sich in seinem Kopf festzuschweißen. Es gibt tatsächlich bestimmte Geräusche und auch Laufstile von Menschen, da weiß ich sofort ok, ich muss für Lemmy jetzt eine alternativ Situation schaffen. Eine Situation mit der er dann klar kommen kann, die für ihn nicht bedrohlich wirkt.

Einfach unterschiedlich

Und so unterschiedlich wie meine zwei Hunde sind, genauso unterschiedlich sind alle Hunde. Wir Menschen nehmen uns manchmal ziemlich viel heraus. Setzen uns nach ganz oben und schreiben Tieren schnell Gefühle oder ein Bewusstsein ab. Das finde ich schade.
Wieso lassen wir denn nicht einfach die Möglichkeit zu, dass Hunde vielleicht ein Bewusstsein für die Vergangenheit haben, vielleicht aber auch nicht. Möglich ist so vieles und ich glaube gerade wenn man so eine Sonderpackung Hund, wie Lemmy, daheim hat, dann tut man sich leichter, wenn man die Möglichkeit zu lässt, dass ein Hund auch ein Empfinden für die Vergangenheit haben kann.
Ich rede hier nicht von einem unglaubliches Zeitempfinden. So von wegen, der Hund weiß, dass er seit 5 Jahren 3 Monaten 2 Wochen und 5 Tagen bei dir wohnt und vor 6 Tagen gab es Gulasch zum Essen.
Nein. Das meine ich damit nicht.
Aber ich kann es mir sehr gut vorstellen, einfach weil ich es auch schon oft bei unterschiedlichen Hunden gesehen habe, dass Hunde durchaus ein Déjà-vu oder etwas ähnliches erleben können und so manchmal anders reagieren, als sie es eigentlich müssen, eben weil die Vergangenheit sie etwas gelehrt (nicht unbedingt im positiven Sinn) hat.

Der große Unterschied

Den große Unterschied sehe ich gar nicht in der Vergangenheit, sondern im Hier und Jetzt. Wir Menschen machen eine Sache und denken aber schon über zwei weitere Dinge nach.
Wenn ein Hund spielt, dann spielt er. Dann denkt er nicht an das Fressen am Abend oder an den Baum, der auf dem Heimweg kommt, den man unbedingt lesen muss.
Das ist glaube ich der große Unterschied und da können wir wirklich etwas von unseren Hunden lernen.
Wir können lernen Situationen zu genießen. Wirklich einen Moment auszukosten und nicht an den Stress zu denken, der daheim auf uns wartet.


Ich bin gespannt wie Deine Meinung zu dem Thema ist und freue mich von Dir zu lesen.

4 Replies to “Der Hund und das Leben im Hier und Jetzt”

  1. Ich habe schnell gemerkt, dass ich deine Worte bestätigen kann.
    Mein Hund, zum Beispiel, hatte ein Welpentrauma und ich bin froh, dies mit Hilfe von außen erkannt zu haben, da ich mir nicht erklären konnte, woher ab und zu seine Traurigkeit oder Desorientierung herkam.
    Nun ist es viel besser.
    Ein guter Beitrag, mögen ihn viele zu lesen bekommen.
    Herzliche Grüße

  2. Kim Kyra Lüders sagt: Antworten

    Dieser Artikel spricht mir aus der Seele. Mein Bauchgefühl sagt mir schon die ganze Zeit, dass Hunde nicht nur im Hier und Jetzt leben. Meine Rumänin Alma, seit 2 Jahren bei uns, hat sich wirklich toll entwickelt, von einer ängstlichen Maus zu einer verspielten. doch ich merke an ihrem Verhalten, wenn sie etwas beunruhigt, der Gang oder die Kleidung eines Menschen. Alma hat Dunkelangst, da bekommt sie förmlich Bleipfoten und bleibt wie angewurzelt stehen. sie hat Angst vor bestimmten Tönen, der Clicker hat sie in absolute Panik versetzt, also flog dieser wieder aus meinem Sortiment. Es sind so viele kleine Dinge in ihrem Verhalten, dass Alma eben nicht im Hier und Jetzt lebt. Ich denke, dass tut kein Hund, und wie schon geschrieben, maßt sich der Mensch an das zu behaupten. Ich hatte in meinem Leben viele Tierschutzhunde, und alle, wirklich alle hatten Verknüpfungen oder Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit.

    Ein ganz toller Beitrag, der wirklich von vielen Hundebesitzern gelesen werden sollte.

    Herzliche Grüße

    1. Das freut mich sehr, dass dir dieser Artikel so gut gefällt 🙂

  3. Ein großartiger Beitrag! Genau so nehme ich meine 2 Hunde auch war.
    DANKE!

    Ganz liebe Grüße
    Ines

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