Schwierige Abende – Ein Abend mit Arthrose und Gedanken

hund mit arthrose

Es sind solche Abende, die einem das Herz schwer machen und an einen Abschied denken lassen. Klar, Lemmy ist mit seinen 5 Jahren eigentlich doch noch recht jung, so zeigen einem solche Abende dennoch, wie ich ihn am Freitag hatte, dass er halt doch älter wird. Zeigen, dass unsere Zeit doch nicht unendlich ist. Machen mich traurig und bringen mich zum Nachdenken.

Er sitzt da und hat Schmerzen. Schmerzen, ausgelöst durch seine Arthrose. Seit ungefähr einem dreiviertel Jahr wissen wir, dass Lemmy Arthrose hat. Ich habe hier auch schon Mal darüber geschrieben.
Hund mit Arthrose, Hundeblog
Lemmy hat Schmerzen und ich fühle mich hilflos. Ich kann ihm die Schmerzen nicht wirklich abnehmen. Er bekommt schon Zeel – das ist ein homöopathisches Arzneimittel in einer Kur – aber gegen einen richtigen Schub, den er momentan anscheinend hat, hilft es nicht komplett.
Zwei Stunden lang hat er sich nicht hingelegt. Sitzt einfach nur da. Will sich nicht bewegen. Hat offensichtlich einfach nur Schmerzen. Ich sitze daneben, versuche ihn zu beruhigen. Er scheint Angst zu haben. Wie gerne würde ich ihm erklären, dass es ein Schub ist, dieser aber irgendwann auch wieder herum ist.
Man kommt sich so unglaublich hilflos vor. Schließlich will man nicht, dass es den Liebsten schlecht geht. Mittlerweile liegt er auf dem Sofa. Langsam kommt er zur Ruhe. Seine Augen fallen ihm zu. Der Schub scheint ausgestanden zu sein.

Wenn man merkt wie die Zeit rennt

Lemmy ist erst fünf. Er ist doch erst fünf Jahre alt. Fünf. „Das ist doch kein Alter“, denke ich mir und schaue traurig auf ihn hinab. Mein Blick bleibt an ihm hängen. Meinem Bub, mit dem ich doch noch so viel erleben will. Es fühlt sich so an, als hätten wir noch alle Zeit der Welt vor uns, dabei haben wir schon einiges gemeinsam geschafft, erlebt, Höhen und Tiefen durchgemacht. Sind gewachsen und hatten miese Tage, nur um uns dann nachts doch wieder aneinander zu kuscheln und zu wissen, dass alles ok ist.
Vor ein paar Monaten wurde uns mitgeteilt, dass Lemmy Arthrose hat. Ein Schock. Es war klar, dass es irgendwann schlimmer wird. Gestern war es soweit. Ein Schub. So plötzlich. Einfach aus dem Nichts.
Hund mit Arthrose, Hundeblog
Plötzlich war Lemmy nicht mehr der Jungspund, der über die Wiese flitzt. Er wirkte alt, gebrechlich, hilflos. Und hilflos war ich auch. Ich hasse es hilflos zu sein, zuschauen zu müssen, wie er Schmerzen hat. Gott sei dank hatte ich noch ein paar Mittel da, mit denen ich ihn beruhigen konnte und einen Teil der Schmerzen verschwinden lies.
Und trotzdem lag da am Abend nicht mehr „mein“ Lemmy. Da lag ein sehr schnell gealterte Hund, der nach Stunden sich endlich hinlegen konnte und super müde eingeschlafen ist.
Mir ist klar, dass unsere gemeinsame Zeit nicht ewig ist. Aber der Arthrose Schub hat mir das nochmal richtig vor Augen geführt. Es kann so schnell vorbei sein. Die Zeit läuft nicht rückwärts und vielleicht kommt irgendwann der Punkt an dem Lemmy so starke Schmerzen hat, dass man ihn davon erlösen muss. Wäre ich jetzt dafür bereit? Werde ich irgendwann dafür bereit sein?

Irgendwann wird sie da sein – Die Zeit zum Verabschieden

Es kommt der Zeitpunkt, an dem man seine Gefühle unterordnen muss. Dieser Zeitpunkt, an dem man seinen Wunsch, dass der eigene Hund weiterlebt, hintenanstellen muss und zum Wohle des Hundes eine Entscheidung trifft.
Ich bin ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich mich jetzt von Lemmy trennen könnte. Klar, der Kopf weiß, dass es immer Situationen geben kann, wo es einfach nicht anders geht, als den Hund gehen zu lassen. Aber momentan ist es davon noch ein ganzes Stück entfernt – hoffe ich doch. Momentan kann man Lemmy helfen, er hat nicht dauernd Schmerzen. Das war der erste richtige Schub seit der Diagnose. Momentan befindet er sich noch in einem frühen Stadion der Arthrose.
Aber irgendwann wird vielleicht der Zeitpunkt kommen an dem es anders ist und dann muss man die eigenen Wünsche in die hinterste Ecke des Herzens treiben und nur mit dem Kopf entscheiden.
Dieser Abend, dieser eine Abend an dem ich Lemmy nicht helfen konnte. Er lädt mich zum Nachdenken ein. Er lässt mich darüber grübeln, was wäre wenn heute der letzte gemeinsame Tag wäre.
Habe ich schon alles mit Lemmy erlebt, was es zu erleben gibt?
Nein!
Habe ich schon jedes gemeinsame Level mit ihm durchgespielt?
Nein!
So schlimm solche Abende, Tage, Momente sind. Sie führen uns vor Augen, dass das Leben nicht endlos ist. Nicht unseres und nicht das unserer Hunde. Wir sollten lieben und leben. Und zwar lieber früher als später. Gemeinsam leben, alles andere mal abschalten und bewusst den Spaziergang gehen. Bewusst mit dem Hund spielen und nicht an die Wäsche denken, die sich gerade im Badezimmer stapelt.
Denn wenn es dann irgendwann ans Verabschieden geht, dann können wir sagen, dass wir die uns gemeinsam zur Verfügung stehende Zeit in ganzen Zügen ausgekostet haben. Dann wird es zwar immer noch ein Abschied sein, aber ein anderer, als wenn uns dann bewusst wird, dass wir die Zeit verstreichen ließen.

Hast Du auch einen Hund, der Beschwerden / eine Krankheit hat? Vielleicht sogar auch Arthose? Wie gehst Du mit solchen Schüben um?

Unser Leben ist nicht endlos. Wir sollten lieben und leben. Klick um zu Tweeten

10 Kommentare

  1. Hallo Anna,

    unsere Lilly hatte keine Arthrose, aber sie ist Anfang August ganz plötzlich gestorben – mit nur dreieinhalb Jahren … Wir wollten mit ihr auch noch so viel erleben und plötzlich ist sie nicht mehr da. Das war (und ist immer noch) sehr schwer zu begreifen … Unser einziger Trost ist, dass sie friedlich eingeschlafen ist und sich nicht gequält hat.

    Auch wenn wir nur dreieinhalb Jahre mit ihr hatten, kann ich wenigstens sagen, dass wir jeden Tag mit ihr genossen und ihr ständig gesagt haben, wie froh wir sind, dass sie bei uns ist. <3

    Ich wünsche dir mit Lemmy noch viele schöne bewusste Momente und hoffentlich noch eine lange Zeit zusammen!

    Liebe Grüße von
    Svea.

    1. So ein plötzlicher Verlust ist einfach traurig und gemein. Ich bin froh, dass Du sagen kannst, dass ihr jeden Tag genossen habt, das ist so wichtig <3

  2. Ich kann Dich gut verstehen. Wir hatten alte Hunde mit Arthrose und wir hatten einen relativ jungen Hund damit. Bei unseren beiden Alten war es eine schleichende Entwicklung, die man aufgrund des Alters auch irgendwo erwartet hatte … bei Laika nicht.
    Ihre Arthrose war irgendwann einfach da – und sie hatte schnell einige Schübe. Seit der Diagnose hat unser Tierarzt mir immer gute Schmerzmittel gegeben – nicht als Dauermedikation am Anfang … aber gegen diese Hilflosigkeit bei einem Schub. Wir konnten ihr die letzten Jahre angenehm machen und haben unseren Weg gefunden mit der Arthrose umzugehen.
    Dass wir Sie dann trotzdem viel zu früh durch eine Vergiftung verloren haben macht es für uns nur noch schwerer.

    Ich wünsche euch noch viele schöne gemeinsame Erlebnisse und bin sicher, ihr findet einen Umgang mit der Diagnose.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

    1. Oh das ist ja echt schlimm, dass ihr eure Laika durch eine Vergiftung verloren habt….

      Danke für deine Wünsche.
      <3

  3. Liebe Anna,
    Bin über FB auf deinem Blogg gelandet und habe interessiert gelesen.
    Habe gerade nach gesehen, was denn das für ein Komplxmittel ist, das du deinem Hund gibst. Ich als Tierhomöopathin bin ja überhaupt nicht Fan von diesen Komplexmitteln und ich denke auch Hahnemann, würde sich dazu melden, wenn er noch könnte. Mal erst die Frage wie lange und wie regelmässig gibst du Ihm das Mittel schon? Und ist dir bewusst, dass du den Schub damit auch Auslösen kannst, dein Hund eine Arzneimittelprüfung machen kann, das dir in der Kombination, genau die Sympthome macht die es verhindern sollte? Ich will dich nicht verunsichern, aber sollte das so sein, das dein Hund das schon länger bekommt, dann setzt das bitte mal ab. Wende dich an einen richtigen Tierhomöopathen, der dem Hund in der jeweiligen Situation adäquat hilft und nicht mit Komplexmitteln vergiftet. Du darfst dich auch gerne an mich wenden, aber bitte setzt das Komplexmittel ab. Homöopathe wirkt nicht Präventiv, dass kein Schub kommt, Homöopathe gibt man wenn es gebraucht wird und so wie du schreibst, muss das Mittel eher noch ausgeleitet und vorallem die Leber entgiftet werden. Liebe Grüsse Mary

    1. Hallo liebe Mary,
      wenn Du von Komplexmittel sprichst, meinst du wohl das Zeel.
      Das wurde mir von meinem Hausarzt in Absprache mit meiner -Tierhomöopathin empfohlen. Ich gebe das Zeel erst seit dem Tag an dem es ihm schlechter ging in einer 8 wöchigen Kur, so wurde es mir empfohlen. Dazu bekommt er noch Grünlippmuschelpulver und Teufelskralle.
      Liebe Grüße
      Anna

  4. Hallo Anna,
    ein gut geschriebener aber auch trauriger Bericht. Meine Continental Bulldogge hat auch 1/2 Jahr lang immer wieder Schmerzen bei den Vorderläufer. Etliche Arzttermine und Untersuchungen und keiner konnte mir sagen was soll sei. Doch plötzlich ist alles wieder weg. Ich bin heilfroh, denn jetzt merke ich den Unterschied, wo sie keine Schmerzen hat, wie meine Lady aufblüht. Trotzdem habe ich Angst, dass dies wieder kommt. 🙁

    1. Deine Angst kann ich voll und ganz verstehen, geht mir genauso …

  5. Wir haben auch knochengeschädigte Hunde und das gleich dreimal. Unser Mädchen war am Schlimmsten dran. Sie hatte schon mit einem Jahr ihre erste Spondylose mit teilweise heftigsten Schmerzschüben. Alle weiteren Baustellen aufzuzählen wäre zu lang. Ich war schon oft drauf und dran es zu beenden, aber wir haben durchgehalten, ein gutes, ehrliches Team aus Chirugen, Heilpraktiker, Pysio-und Osteotherapie zusammengestellt und wir haben die schlimmen Zeiten überstanden. Sie ist jetzt sechs, fröhlich, frech und wir haben die Baustellen im Griff. Ich wende eine Mischung aus klassischen Schmerzmitteln und natürlichen Zusätzen an. Zeel alleine wird euch nicht wirklich helfen. Die geben wir auch, aber zusätzlich. Wenn du magst, schreib ich dir mal was wir so anwenden und machen um die Bande fit und den Pflegefall beweglich zu halten.
    Es grüßt Claudia & die Krötenbande

    1. Oh ja, das wäre super 🙂

      Liebe Grüße
      Anna und die Pappnasen

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